Arbeit der Weltbank
Wolfowitz will Afrika stärker berücksichtigen

Paul Wolfowitz hat am Mittwoch zum Auftakt seiner Amtszeit als Chef der Weltbank angekündigt, Afrika stärker in den Mittelpunkt der Förderung der Bank zu rücken.

HB WASHINGTON/BERLIN. Afrika brauche die Bank und sei in einem Maße von ihr abhängig, das über das vieler Völker hinausgehe, sagte Wolfowitz am Mittwoch. Dabei werde er zwar Lateinamerika, den Nahen Osten und Asien nicht aus dem Blick verlieren. Die jüngsten Wachstumsraten des afrikanischen Kontinents zeigten jedoch, wie nötig und wichtig ein Engagement der Weltbank sei. Der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zufolge war das Wachstum des Kontinents 2004 mit 5,1 % so stark wie seit acht Jahren nicht mehr. Dies biete Afrika eine verbesserte Ausgangsbasis für den Weg aus der Armut, erklärte die OECD am Mittwoch in Berlin. „Die Perspektiven für einen Großteil von Afrika sind günstiger als seit vielen Jahren“, hieß es.

Die Entwicklungsmöglichkeiten Afrikas werden derzeit auf einem Afrika-Gipfel des Weltwirtschaftsforums (WEF) diskutiert, zu dem seit Mittwoch afrikanische Politiker und Unternehmer im südafrikanischen Kapstadt sind. Die sieben führenden Industriestaaten und Russland wollen ihrerseits weitreichende Hilfen für Afrika bei ihrem nächsten G-8-Treffen im Juli in Schottland beraten. Dabei will die diesjährige G-8-Präsidentschaft Großbritannien eine neue Initiative zu Gunsten des Kontinents zu Stande bekommen. Im September werden schließlich die Vereinten Nationen (UN) überprüfen, wie weit die Umsetzung der Millennium-Ziele in Afrika vorangekommen ist. Bis 2015 soll die Armut auf der Welt halbiert werden. Wolfowitz äußerte sich vorsichtig optimistisch für den Kontinent. „Der Weg, der vor uns liegt, ist sehr sehr lange.“ Er wünsche sich aber, dass er während seiner Zeit an der Spitze der Weltbank dazu beitragen könne, dass sich der Kontinent der Verzweiflung in einen Kontinent der Hoffnung verwandle.

Von den verschiedenen Initiativen, die in diesem Jahr gestartet werden, erhofft sich die OECD die nötige Schubkraft für diese Entwicklung. „2005 ist das Jahr Afrikas“, sagte Helmut Reisen vom Zentrum für Entwicklung bei der OECD. Afrika profitiere derzeit von der hohen Nachfrage nach Rohstoffen der aufstrebenden Wirtschaften in China und Indien und habe diesen Staaten viel zu bieten. Auch der hohe Ölpreis und die Abwertung des Dollars trugen dem jüngsten Afrika-Wirtschaftsbericht der OECD zu einer Sanierung der öffentlichen Haushalte bei. Afrikanische Staaten konnten Schulden zurückzahlen, Rücklagen bilden und in eine größere Vielfalt ihrer Wirtschaften investieren. Auf der Basis dieser Entwicklung stellte die OECD in 15 der 29 untersuchten Staaten fest, dass sie das Millennium-Ziel der Armutsbekämpfung bereits erreicht haben oder auf dem Weg sind, es bis 2015 zu schaffen.

Die OECD ist ein Zusammenschluss westlicher Industriestaaten und soll unter anderem deren Zusammenarbeit bei der Förderung von Entwicklungsländern unterstützen. Aufgabe der Weltbank ist es, den wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt ihrer weniger entwickelten Mitgliedstaaten zu fördern. In Schwellenländern wie Ägypten waren vor Wolfowitz' Ernennung Sorgen laut geworden, der ehemalige US-Verteidigungsminister stehe für eine Politik des freien Marktes und werde den Kampf gegen die Armut aus den Augen verlieren. Wolfowitz hat sich bereits im Vorfeld seines Amtsantrittes bemüht, diese Bedenken zu entkräften.

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