Arbeitgebern auf dem grauen Markt drohen Denunziation und Strafen
Madrid sagt illegalen Jobs den Kampf an

Spaniens neue Regierung will die Arbeitsimmigranten aus der Illegalität holen – mit Anreizen für die Einwanderer und drastischen Strafen für Unternehmer, die auf den grauen Arbeitsmarkt zugreifen.

MADRID. Rund 500 000 Einwanderer arbeiten ohne Vertrag und ohne Aufenthaltsgenehmigung in Spanien. Ihnen bietet Arbeitsminister Jesús Caldera jetzt die Einbürgerung an, wenn es ihnen gelingt, einen Arbeitgeber zu finden, der sie mit Vertrag einstellt. Und wer einen Arbeitgeber denunziert, der ihn ohne Vertrag beschäftigt, den will die sozialistische Regierung unter José Luis Rodríguez Zapatero mit einer Aufenthaltsgenehmigung belohnen. Der Unternehmer müsste eine saftige Strafe bezahlen und den dann legalen Einwanderer unter Vertrag nehmen.

Einwanderungsexperten begrüßen grundsätzlich, dass die Regierung das Problem endlich angeht, bezweifeln aber die Effektivität der geplanten Maßnahmen. Rafael Puyol, Immigrationsexperte der Madrider Universidad Complutense, weist darauf hin, dass viele Unternehmer illegale Arbeitskräfte beschäftigten, weil sie billig seien. Wenn sie diese Ausländer nun zu normalen Bedingungen beschäftigen müssten, würden viele eher einen Spanier einstellen. Und wer tatsächlich seinen Arbeitgeber anzeige, werde seinen so erzwungenen Arbeitsvertrag kaum lange behalten können. „Bei der nächstbesten Gelegenheit wird der Chef ihn wieder auf die Straße setzen“, sagt Puyol.

Auch Mohamed El-Fatah Naciri, Direktor des spanischen Büros der Arabischen Liga, bezweifelt, dass der Aufruf zur Denunziation Früchte tragen wird. „Solange es Bedarf an Schwarzarbeit gibt und die Unternehmen nicht in die Verantwortung genommen werden, solange werden Menschen versuchen, ihr Leben zu riskieren, um diese Arbeit zu bekommen.“ Effektiver wäre es, die Subventionen für die Landwirtschaft zu streichen und Gemüse und Obst aus Nordafrika wettbewerbsfähiger zu machen: „Dann brauchen die vielen Marokkaner nicht zur Erdbeer- und Tomatenernte auf die Iberische Halbinsel zu kommen, sondern können zu Hause Arbeit finden“, sagt Niciri. Auch die Oppositionspartei Partido Popular hält den Gesetzentwurf der Regierung für nicht realisierbar und „wenig durchdacht“.

Einwanderungsexperten wie Antonio Díaz Morales vom Madrider Instituto de Empresa begrüßen die Initiative dennoch: „Die Wirtschaft muss endlich in die Pflicht genommen werden.“ Die wachsende Schattenwirtschaft mache dem Staat zunehmend zu schaffen. Ihm entgehen Steuereinnahmen und die Ausgaben steigen. Das öffentliche Gesundheitssystem, das mit einem Grunddienst allen in Spanien lebenden Menschen kostenlos zur Verfügung steht, wird belastet. In den vergangenen fünf Jahren stiegen die Ausgaben um 30 Prozent.

2,5 Millionen Menschen ohne EU-Staatsbürgerschaft leben derzeit in Spanien, das sind sechs Prozent der Bevölkerung. 600 000 von ihnen kamen allein im vergangenen Jahr. „Kein anderes Land der EU erlebt eine so starke Zuwanderung, was auch an den idealen Bedingungen hier liegt“, sagt Díaz Morales. Bisher können Lateinamerikaner, die die stärkste Gruppe der Immigranten stellen, mit einem Drei-Monats-Visum relativ problemlos einreisen. Die meisten bleiben nach Ablauf der Aufenthaltsgenehmigung, arbeiten auf dem Bau, in den Haushalten oder in der Landwirtschaft. Kontrollen gibt es wenig. Die Familien melden sich bei der Gemeinde an und können ihre Kinder auch zur Schule schicken, ohne dass sie ausgewiesen werden. Trotzdem leben sie isoliert, weil sie das Land nicht verlassen können und oft von der Wirtschaft ausgebeutet werden.

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