Arbeitsessen in Brüssel
Bush und Chirac beenden Streit um Irak

US-Präsident George W. Bush und sein französischer Kollege Jacques Chirac haben ihren erbitterten Streit über den Irak-Krieg für beendet erklärt. Vor einem gemeinsamen Arbeitsessen in Brüssel gaben sich beide Staatschefs am Montagabend betont locker und freundschaftlich.

HB BRÜSSEL. „Das ist das erste Abendessen auf europäischem Boden seit meiner Wiederwahl, und das habe ich zusammen mit Jacques Chirac - Das sagt wohl einiges“, sagte Bush zu Journalisten. „Dies sollte klar machen, wie wichtig mir diese Beziehung persönlich ist und wie wichtig diese Beziehung für mein Land ist.“ Ihr Essen dauerte zweieinhalb Stunden und damit deutlich länger als ursprünglich vorgesehen. Vertreter der Delegation Bushs sprachen von einer sehr angenehmen Atmosphäre und dem besten Treffen der beiden Präsidenten, das es jemals gegeben habe. In französischen Regierungskreisen hieß es, Chirac plane in den nächsten Monaten eine Reise nach Washington.

Frankreich und Deutschland hatten den Widerstand in Europa gegen den Irak-Krieg der USA angeführt, was die transatlantischen Beziehungen massiv belastete. Chirac betonte aber nun die Gemeinsamkeiten mit der US-Regierung etwa beim Wiederaufbau in Afghanistan und bei der Unterstützung für die Tsunami-Katastrophenregion in Südasien. Später veröffentlichten beide Staatschefs zudem eine gemeinsame Erklärung, in der sie einen syrischen Truppenabzug aus dem Libanon fordern.

„Gemeinsame Werte zu haben, bedeutet aber natürlich nicht, immer notwendigerweise auch die Meinung des anderen zu teilen“, sagte Chirac. Sein Sprecher erklärte nach dem Treffen, die beiden Präsidenten hätten außerordentlich viel gelacht und gescherzt. Ein US-Regierungsvertreter ergänzte, die Debatte um den Irak werde wohl nur noch von Historikern weiter geführt. „Die USA werden auf alle Fälle nicht die Kämpfe von 2003 nochmals auflegen.“

Bush, der Chirac bei der kurzen Pressekonferenz vor dem Essen wiederholt duzte, wurde von einem Journalisten gefragt, ob er den Präsidenten denn nun auch zu seiner Ranch nach Crawford in Texas einladen wolle. Darauf erwiderte Bush augenzwinkernd, ohne dies weiter auszuführen: „Ich suche einen guten Cowboy.“ In einem Interview kurz nach Beginn des Irak-Kriegs Anfang 2003 hatte Bush eine baldige Einladung Chiracs auf die Ranch kategorisch ausgeschlossen. Der französische Präsident könnte Regierungskreisen zufolge in den nächsten Monaten zu weiteren Gesprächen mit Bush nach Washington reisen. Ob dabei auch ein Besuch in Crawford auf dem Programm steht, blieb am Montag aber offen.

Bush will mit seiner Europa-Reise einen Schlussstrich unter den Irak-Streit ziehen und nach vorne blicken. Bei einer Grundsatzrede in der Brüssel rief er am Montag zu einem endgültigen Ende des transatlantischen Konflikts und einem neuen Schulterschluss etwa in der Nahost-Politik auf. Am Mittwoch wird er in Deutschland erwartet.

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