Arbeitskämpfe
Großbritannien steuert in bitteren Poststreik

Die britische Wirtschaft steht vor den härtesten Arbeitskämpfen seit den Bergarbeiterstreiks in den 80er-Jahren. Wird der Streit zwischen Royal Mail und Postgewerkschaft CWU nicht in letzter Minute entschärft, sollen Streiks ab Donnerstag den Postbetrieb lahm legen.
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LONDON. Die Labourregierung hat nach dem Scheitern ihrer Privatisierungspläne kein Konzept für das Staatsunternehmen.

Die CWU setzt auf die wirtschaftliche Bedeutung der Postdienste in der Vorweihnachtsperiode und hofft auf Unterstützung einer Öffentlichkeit. „Wir sind in einer stärkeren Position als die Bergarbeiter in den 80er-Jahren“, sagt CWU-Chef Billy Hayes. Briefzustellungen könnten nicht wie Kohle auf Vorrat gelagert werden. Er forderte Industrieminister Peter Mandelson auf, den Schlichtungsausschuss einzuschalten. Mandelson bezeichnete den Streikbeschluss als „selbstmörderisch“.

Postchef Adam Crozier will 30 000 Aushilfskräfte als Streikbrecher einsetzen. Zudem heizte er die Wut der Postler mit einem Strategiepapier an, wonach er die Gewerkschaft isolieren und die Reformen an ihr vorbei erzwingen will. Die von der BBC veröffentlichten Papiere deuten an, dass Crozier die Unterstützung der Regierung hat.

Großbritannien liberalisierte als erstes Land Europas die Postdienste, versäumte es aber, sie fit für diese neue Zeit zu machen. Im Frühsommer scheiterte Mandelsons Teilprivatisierung am Widerstand von Labour-Hinterbänklern. Jährlich verliert die Post zehn Prozent an Marktanteil. Der Streik dürfte das noch beschleunigen.

Postarbeiter klagen über inakzeptable Arbeitsbedingungen und wollen Lohnausgleich für weggefallene Überstundengelder. Sie fühlen sich durch bereits geleistete Reformen bestärkt: Im letzten Geschäftsjahr verdoppelte die Royal Mail den Gewinn auf 321 Mio. Pfund und schrieb zum ersten Mal seit 20 Jahren in allen vier Geschäftsbereichen schwarze Zahlen. Aber das Loch in der Rentenkasse verdoppelte sich auf 6,8 Mrd. Pfund.

Matthias Thibaut ist Korrespondent in London.
Matthias Thibaut
Handelsblatt / Korrespondent

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