Arbeitskampf auf Französisch
Geld her – oder es knallt

Wenn es um das liebe Geld geht, sind die Angestellten des insolventen französischen Autozulieferers New Fabris zu allem bereit. An die Fabrikwände haben 366 verzweifelte Arbeiter „Wir wollen eine Abfindung“ geschrieben, die Fabrik wollen sie, wenn nicht jeder von ihnen 30 000 Euro bekommt, einfach sprengen. Alles ist vorbereitet.

PARIS. Auf dem Dach des Werkvorbaus stehen hellgrüne Gasflaschen in einer Reihe; an die Fabrikwände haben Angestellte „Wir wollen eine Abfindung“ geschrieben. Wenn sie nicht jeder 30 000 Euro bekommen, drohen die 366 Angestellten des insolventen Autozulieferers New Fabris mit ungewöhnlichen, drastischen Mitteln. Die Mitarbeiter im westfranzösischen Châtellerault wollen die Fabrik einfach sprengen. Die radikale Forderung ist an die beiden Großkunden, Renault und PSA Peugeot Citroën, gerichtet.

„Wir haben schon Gasflaschen. Alles ist vorbereitet, damit die Fabrik in die Luft fliegt“, sagt Guy Eyermann, Vertreter der kommunistischen Gewerkschaft CGT. Die verzweifelten Arbeiter sind zu allem entschlossen. Bis zum 31. Juli wollen die Mitarbeiter Garantien von den Autokonzernen erhalten. Die Krise hat den Zulieferer voll getroffen, denn die Hauptkunden Renault und PSA stellten ihre Aufträge ein.

Mit der Drohung, die Fabrik in die Luft zu jagen, eskaliert die Situation. Das soziale Klima in Frankreich spitzt sich zu. Die französischen Arbeiter sind nicht gerade zimperlich, wenn es um ihre Jobs geht. Schon seit Anfang des Jahres sind sie immer brutaler vorgegangen, um ihre Rechte einzufordern, wenn Entlassungen oder Werkschließungen verkündet wurden. Meldungen von Firmenmanagern in Geiselhaft gab es aus Frankreich schon häufiger, aber dass die Angestellten gleich mit der Sprengung drohen, ist neu.

„Natürlich ist das radikal, aber waren sie nicht genauso radikal zu uns? Sie haben uns fallengelassen“, sagt Eyermann. Wenn Renault und Peugeot der Geldforderung nicht nachkommen, wollen die Arbeiter sich durch nichts mehr zurückschrecken lassen. Die Angestellten sind im Schnitt 49 Jahre alt und seit 25 Jahren dabei. Sie fürchten, keine neue Arbeit zu finden.

Die Autokonzerne machten bisher 90 Prozent des Geschäfts bei New Fabris aus. Anfang des Jahres 2008 hatte es noch große Aufträge für Verteilerkappen und Auspuffe gegeben, und die Firma stellte neue Zeitarbeiter ein. Seit September kam dann kein Auftrag mehr. Tausende Teile sollen unbezahlt im Lager liegen. Auf vier Millionen Euro beziffern die Angestellten deren Wert. Dafür sollen die Konzerne zahlen. Als keine Aufträge mehr eingingen, hat New Fabris im April Insolvenz angemeldet; im Juni war die Liquidation entschieden worden.

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