Arbeitslosigkeit in Griechenland
Kein Licht am Ende des Tunnels

Die griechische Regierung versucht, den Menschen Mut zu machen. Aber zwei von drei Landsleuten blicken pessimistisch in die Zukunft. Von der Arbeitslosigkeit ist es nur ein sehr kleiner Schritt in die totale Armut.
  • 16

AthenFrohe Weihnachten? Elena Riga kam dieser Wunsch in den vergangenen Tagen nicht leicht über die Lippen. Sie hatte kein frohes Fest. Vor zehn Monaten verlor die 42-jährige Griechin ihren Job als Geschäftsführerin einer Supermarkt-Filiale im Athener Stadtteil Pangrati – die Kette ging in die Insolvenz. „Es war ein stressiger Job, viele unbezahlte Überstunden, aber ich hatte immerhin ein Gehalt von knapp 1.200 Euro netto“, erzählt Elena. Jetzt muss sie mit 360 Euro im Monat auskommen, der staatlichen Arbeitslosenunterstützung.

Und auch die fließt nicht mehr lange. Im März wird sie wohl zum letzten Mal bei der Arbeitsverwaltung OAED um ihr Geld anstehen, denn die Hilfe wird maximal zwölf Monate gewährt. Danach ist Schluss. Sozialhilfe oder eine Grundsicherung wie Hartz IV gibt es in Griechenland nicht. Und wer kein Arbeitslosengeld mehr bekommt, verliert auch seine Krankenversicherung. Elena wirkt mutlos, fast verzweifelt: „Ich weiß nicht, was dann aus uns werden soll“, sagt die Frau, die seit der Scheidung von ihrem Mann vor vier Jahren auch eine 15-jährige Tochter allein ernähren muss.

Im Sommer haben Mutter und Tochter ihre Zweizimmerwohnung aufgegeben und sind zu Elenas Eltern gezogen. Das Rentner-Ehepaar, 68 und 71 Jahre alt, teilt seine Pension jetzt mit Tochter und Enkelin. Elena hat die Hoffnung, doch noch einen neuen Job zu finden, nicht aufgegeben. Hunderte Bewerbungen hat sie schon geschrieben. Aber bei realistischer Betrachtung weiß sie: Die Aussichten auf eine neue Stelle sind minimal.

Im November wurden in Griechenland zwar 98.108 Menschen neu eingestellt, im gleichen Monat verloren aber 115.322 ihre Arbeit. Landesweit lag die Arbeitslosenquote im September – neuere Zahlen hat die Statistikbehörde Elstat noch nicht gemeldet – bei 27,4 Prozent. Unter den Frauen betrug die Quote sogar 31,4 Prozent.

Unermüdlich versichert Ministerpräsident Antonis Samaras seinen Landsleuten, das Schlimmste sei überstanden, die Talsohle der Rezession durchschritten. Im dritten Quartal 2013 schrumpfte die griechische Wirtschaft um drei Prozent. In jedem anderen EU-Land wäre das eine Hiobsbotschaft gewesen. Aber in Griechenland ist es eine Erfolgsmeldung. Schließlich war das Bruttoinlandsprodukt in den zwei Quartalen zuvor um 5,5 und 3,7 Prozent zurückgegangen. Die Talfahrt verlangsamt sich also. Und im nächsten Jahr soll die Wirtschaft sogar zum ersten Mal seit 2007 wieder wachsen, wenn auch nur um 0,6 Prozent. Premier Samaras sieht „Licht am Ende des Tunnels“.

Die meisten seiner Landsleute können dieses Licht aber nicht erkennen. Fast zwei Drittel der Griechen erwarten, dass sich ihre Lebenssituation in den kommenden zwei bis drei Jahren weiter verschlechtern wird, so eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts GPO von Ende November. Auch die meisten Ökonomen sind eher pessimistisch: Selbst wenn Griechenlands Wirtschaft im kommenden Jahr wieder wachsen sollte (wovon überdies nicht alle Experten ausgehen), werden die Menschen von der Wende wenig spüren.

Kommentare zu " Arbeitslosigkeit in Griechenland: Kein Licht am Ende des Tunnels"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Zitat Handelsblatt:

    „Kein Licht am Ende des Tunnels“

    ---

    Und selbst wenn da ein Licht am Ende des Tunnels wäre, dann wäre es wahrscheinlich nur wieder einer dieser „EU-Bürokraten“ mit einer Taschenlampe, dem so langsam aber sicher die Batterien ausgehen.

    Wir müssen endlich diesen „Wahnsinn“ stoppen!

    Was wir dafür brauchen ist ein Europa mit souveränen Staaten und keine Transferunion oder gar einen zentralisierten Europastaat.
    Was weiß denn schon „Brüssel“ oder „Luxemburg“ über die persönlichen Belange der einzelnen europäischen Staaten.

    Jeder Staat sollte, wie jeder Mensch letztendlich auch, für sich selbst die Verantwortung tragen und über sich selbst entscheiden dürfen.
    Natürlich immer unter Rücksichtnahme auf die „Nachbarn“ und die „Freunde“.

    Wir brauchen dafür ein uneingeschränktes Budgetrecht der nationalen Parlamente.

    Weiterhin brauchen wir dafür eine Rückverlagerung der Gesetzgebungskompetenzen zu den nationalen Parlamenten.

    Und was wir dafür auf jeden Fall brauchen ist Rechtsstaatlichkeit und Demokratie, sei es nun auf nationaler oder auf europäischer Ebene.
    Staatliche Organe dürfen sich selbst in Einzelfällen nicht (mehr) über Gesetze und Verträge hinwegsetzen.
    Anstatt einer immer weiter fortschreitenden Entmündigung und Bevormundung der Bürger brauchen wir mehr Volksentscheidung und Selbstbestimmung.

    Dann können wir auch in Zukunft (wieder) in freundschaftlicher und guter Nachbarschaft zusammenleben!

  • helfen wollen
    "Bei aller Kritik an Griechenland und griechische Verhältnissen so glaube ich nicht, dass Schäuble und Merkel ehrlich verhandelt haben und Griechenland tatsächlich helfen wollte."
    Helfen wollte man in erster Linie den Bankern/Investoren und dann sich selbst. Bei "selbst" meine ich persoenlich, nicht etwa Deutschland.

  • Kleiner Hinweis!

    Das deutsche Reich (Kleindeutschland) wurde von vielen Deutschen Staaten gegründet!
    Es war ein Volk!
    Wir Deutschen!

    Es fehlten zwar einige deutsche Staaten (Lichtenstein, Luxemburg, Schweiz und Österreich)

    Wir haben eine Kultur, Sprache und Geschichte.

    In Straßburg genauso wie in Königsberg oder in Pilsen.

    Das ist der Unterschied

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%