Arbeitsmarkt
Dänen schaffen mehr Jobs

Der Arbeitsmarktexperte Martin Steen Kabongo vom dänischen Industrieverband Dansk Industri (DI) hatte in den vergangenen Monaten alle Hände voll zu tun. Nahezu wöchentlich musste er deutschen Sozialpolitikern erklären, was das „dänische Arbeitsmarkt-Modell“ auszeichnet.

STOCKHOLM. Kopenhagen ist zum Mekka für deutsche Politiker geworden. Vor, während und nach den Verhandlungen zur Bildung der großen Koalition verging kaum ein Tag, an dem nicht Unions- und SPD-Politiker in einer Talkrunde auf „das dänische Modell“ verwiesen.

Beeindruckt ist man in Deutschland vor allem davon, wie Dänemark seinen Arbeitsmarkt reformiert hat. Litt das Land noch Anfang der 90er Jahre unter einer Arbeitslosigkeit von mehr als zwölf Prozent, gehört es heute mit etwas über fünf Prozent zu den europäischen Spitzenreitern. Ein „Bündnis der Arbeit“ hat den Erfolg ermöglicht: 1994 einigten sich die Tarifpartner und die damalige Regierung auf ein neues beschäftigungspolitisches Konzept, dessen übergreifendes Motto „Fördern und Fordern“ lautet.

Seit 1994 hat jeder Arbeitslose in Dänemark das Recht auf einen individuellen Handlungsplan, der die Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt verfolgt. Klappt das nicht, verpflichtet sich der Arbeitslose, nach einem Jahr ohne Job eine vom Arbeitsamt angebotene Stelle anzunehmen. Es spielt kaum eine Rolle, wo sich der neue Arbeitsplatz befindet. „Pflichtaktivierung“ nennen dänische Arbeitsmarktpolitiker dieses System, das außerdem den weitgehenden Abbau der Kündigungsschutzregeln enthält: Wer schneller entlassen werden kann, wird bei einem Aufschwung auch schneller wieder eingestellt. Das funktioniert: Fast jeder vierte Däne ist einmal im Jahr ohne Job – kurzzeitig.

„Wir sind mit dem System sehr zufrieden“, sagt Kabongo vom dänischen Wirtschaftsverband. Er hebt hervor, dass das dänische Arbeitsmarktmodell den Arbeitgebern die in Deutschland so geforderte Flexibilität ermöglicht, gleichzeitig aber den Arbeitnehmern ein hohes Maß an Sicherheit gewährt. „Es ist immer besser, das Hauptaugenmerk auf die Schaffung neuer Arbeitsplätze zu legen, anstatt für die Erhaltung der alten zu kämpfen“, umreißt er das System.

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