Arbeitsmarkt
Deutschland benachteiligt Migrantenkinder

Auch hoch qualifizierte Migrantenkinder haben einer OECD-Studie zufolge in Deutschland deutlich schlechtere Chancen auf dem Arbeitsmarkt als ihre einheimischen Altersgenossen. Besonders groß ist der Rückstand bei Akademikern und Absolventen höherer beruflicher Bildung, schrieben die Experten in der am Donnerstag veröffentlichten Untersuchung.
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HB BERLIN. Bei Geringqualifizierten ist der Rückstand der Nachkommen von Einwanderern dagegen vergleichsweise gering. „Dieser Befund überrascht, da beide Gruppen ihre Bildungsabschlüsse in der Regel im Inland erworben haben“, sagte OECD-Experte Thomas Liebig zu dem Rückstand der Akademiker.

Auch in Österreich zeige sich ein ähnliches Bild, hier hinkten die Einwandererkinder ihren Klassenkameraden ebenfalls deutlich hinterher. Besser sehe es in der Schweiz aus, wo unabhängig vom Bildungsniveau kaum Unterschiede in den Beschäftigungsquoten festzustellen seien.

Bereits in der Schule kommen die Nachkommen von Einwanderern in Deutschland ins Hintertreffen: Unter den 20- bis 29-Jährigen ist in Deutschland der Anteil der Geringqualifizierten unter den Migrantenkindern ohne Abitur oder abgeschlossene Berufsausbildung doppelt so hoch wie unter den Deutschen. Das bestätige die Ergebnisse der PISA-Studien, die große Defizite in der schulischen Bildung offengelegt hätten, schrieben die Experten. Ein Teil des Rückstands könne dann in Deutschland aber in der beruflichen Ausbildung aufgefangen werden. Anders in der Schweiz: Hier liege der Anteil der Geringqualifizierten bei Einwanderern auf dem gleichen niedrigen Niveau wie bei den Einheimischen.

Besonders häufig sind die Nachkommen von Einwanderern im Handel beschäftigt, auch im Verarbeitenden Gewerbe arbeiten überdurchschnittlich viele Migrantenkinder. Deutlich unterrepräsentiert sind sie dagegen in Deutschland in der öffentlichen Verwaltung. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) verglich in der Studie erstmals Daten aus 16 OECD-Ländern zur Arbeitsmarktintegration von Migrantenkindern.

Zuletzt hatte der Bundesbanker und frühere Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin mit einem Interview der Kulturzeitschrift „Lettre International“ in Deutschland für Aufsehen gesorgt. Er hatte darin einer großen Zahl von Türken und Arabern vorgeworfen, in Berlin „keine produktive Funktion, außer für den Obst- und Gemüsehandel“ zu erfüllen, „und es wird sich vermutlich auch keine Perspektive entwickeln“. Sarrazin musste inzwischen einen Teil seiner Verantwortungsbereiche bei der Bundesbank aufgeben.

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