Arbeitsmarkt: Frankreich beginnt mit Strukturreformen

Arbeitsmarkt
Frankreich beginnt mit Strukturreformen

Die Einigung der Sozialpartner auf einen flexibleren Arbeitsmarkt öffnet den Weg zu mehr Wettbewerbsfähigkeit. Dieser wichtige Schritt zur Modernisierung der Wirtschaft ist auch für Präsident Hollande ein großer Erfolg.
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ParisMit einer tiefgreifenden Arbeitsmarktreform hat Frankreich in der Nacht zum Samstag Kurs auf die Modernisierung seiner Wirtschaft genommen. Arbeitgeberverbände und drei Gewerkschaften einigten sich nach mehrmonatigen Verhandlungen auf eine Flexibilisierung zugunsten der Unternehmen. Gleichzeitig erhalten die Arbeitnehmer neue Rechte, prekäre Arbeitsverhältnisse werden zurückgedrängt. Nicht nur für die französische Wirtschaft, sondern auch für die Regierung ist das ein großer Erfolg.
Frankreichs wichtigster Unternehmerverband Medef spricht in einer ersten Bewertung von einer Reform, die „Frankreich auf den höchsten europäischen Standard in Sachen Arbeitsmarkt und Sozialbeziehungen“ hebe. Damit werde ein hoher Grad von „Flexicurity“ erreicht. Der englische Begriff steht für die Kombination von flexiblem Arbeitsmarkt mit Sicherheit für die Arbeitnehmer. Frankreich könne nun „bedeutsame Fortschritte bei der Rückgewinnung seiner Wettbewerbsfähigkeit“ erreichen.

Für die Unternehmen sind zwei Veränderungen besonders wichtig. Erstens können sie künftig bei schwierigen konjunkturellen Bedingungen für maximal zwei Jahre Löhne senken und/oder die Arbeitszeit verlängern, wenn es dafür innerhalb des Unternehmens eine Mehrheit der Arbeitnehmer gibt. Diese von Tarif- und Arbeitsverträgen abweichenden Bestimmungen sind verbindlich. Einzelne Arbeitnehmer können sich zwar unter Berufung auf ihren Arbeitsvertrag widersetzen, können dann aber entlassen werden.

Die neuen, den deutschen Öffnungsklauseln und Standortsicherungsverträgen ähnelnden Bestimmungen müssen vorsehen, dass die Beschäftigung auf gleichem Niveau erhalten bleibt und nach Ablauf des Krisenvertrages der eventuell erreichte wirtschaftliche Fortschritt auf gerechte Weise zwischen Unternehmen und Arbeitnehmern geteilt wird.

Kommentare zu " Arbeitsmarkt: Frankreich beginnt mit Strukturreformen"

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  • Sie träumen gern, das kann man lesen...

  • 'Eurowahn' sagt
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    Flexibilisierung zu Gunsten der Unternehmen - so wie überall. Alle Länder beschließen nun harte Reformen, mit dem Ziel im Wettbewerb billiger zu werden. So langsam verliert Deutschland seinen Vorsprung des Billiglohnlandes und die Konkurrenz nimmt zu. In bälde wird es dann bei uns wieder heißen - wir snd im internationalen Vergleich zu teuer, die anderen haben aufgeholt. Also, liebe Deutsche - die Löhne müssen runter und wir müssen länger arebieten in Deutschland, damit wir wettbewerbsfähiger werden.
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    Unsinn - eine durch den Markt erzwungene Angleichung der Wettbewerbsfähigkeit Frankreichs und anderer südeurupäischer Länder ist wünschenswert, da es uns die Finanzierung der Leistungsbilanzdefizite diese Länder erspart.

    Und sie ist auch zwangsläufig, da die Finanzmärkte sich über kurz oder lang weigern, derartige Leistungsbilanzdefizite zu günstigen Zinsen zu finanzieren.

    Italien, Spanien und Portugal haben das bereits zu spüren bekommen. Und Frankreich wird das zu spüern bekommen, wenn es nicht schleunigst umsteuert.

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    'Eurowahn' sagt
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    Seht ihr denn nicht wohin die Reise geht. ..... zu Gunsten der Unternehmen steht im Artikel. Viele Großfirmen, Banken etc. erzielen Rekordgewinne, die Menschen aber werden immer ärmer.
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    Unsinn - wenn Waren billiger erworben werden können werden die Menschen als Arbeitnehmer ärmer, aber gleichzeitig als Konsumenten reicher.

    Und wenn Sie der Ansicht sind daß Unternehmensgewinne unangemessen hoch sind, dann sollten Sie mehr Aktien und weniger Waren kaufen.

    Und schon ist das "Problem" gelöst.

    ...

    Das Gejammere der Lemminge ist wirklich peinlich.

  • Das kompetitive soziale Dumping geht also in die nächste Runde, ein Sozialist will jetzt auch in Frankreich versuchen eine Agenda 2020 durchsetzen. Die endlose Schraube des Sozialdumpings wird uns zu den Anfängen der Industrialisierung und des Kapitalismus führen, zur Ausbeutung des Menschen durch den Mensch über das Kapital.
    Schon werden in Deutschland weitere soziale Einschnitte in den Sozialleistungen geplant, was dann zwangsläufig zur Leistungsbilanzdefizite gegenüber Deutschland, zur Zunahme der Arbeitslosigkeit, der Haushaltsdefizite und der Überschuldung in den Defizitländern führen wird. Und die Krise fängt wieder von vorne an.
    Das Perpetuum Mobile, eigentlich eine Fata Morgana, wird hier erprobt.
    Liebe Deutsche, als Initiatoren der Todesspirale 'Sozialdumping, auch Agenda 2010 genannt' sind Sie in der Pflicht und Verantwortung diese zu stoppen, sie wird zu Sozialen Unruhen, zur politische Instabilität, zu Aufstände und am Ende zum Auseinanderbrechen der EU und Währungsunion führen.
    Innerhalb einer Union kann nur das Miteinander und nicht das -jeder für sich und Gott für alle als System- zum Erfolg führen, vor allem wenn die Mitglieder dieser Union so ungleich wirtschaftlich stark sind wie in der Europäische Währungsunion.
    Trotzdem, gesundes und erfolgreiches neues Jahr und Gruß aus den Abruzzen Südeuropa.

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