Arbeitsmarkt: USA schaffen weit mehr Stellen als erwartet

Arbeitsmarkt
USA schaffen weit mehr Stellen als erwartet

In den USA ist die Arbeitslosenquote gefallen – auf nun 7,7 Prozent. Die Zahl der neuen Stellen ist überraschend stark gestiegen. Der Dollar reagiert mit einem deutlichen Kursprung, Euro und Gold fallen.
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WashingtonNach langem Niedergang meldet sich der US-Jobmarkt mit kräftigem Stellenaufbau und der niedrigsten Arbeitslosenquote seit Jahren eindrucksvoll zurück. Die Zahl der Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft stieg im Februar um 236.000, wie das Arbeitsministerium in Washington am Freitag mitteilte.

Von Reuters befragte Ökonomen hatten nur mit 160.000 neuen Stellen gerechnet. Insbesondere der Bau verspürt wieder Aufwind und stellt fast ein Fünftel der neuen Jobs in den USA. Die Arbeitslosenquote sank um 0,2 auf 7,7 Prozent und damit auf den niedrigsten Stand seit Ende 2008.

Auch wenn die Arbeitslosenquote noch deutlich über dem langjährigen Schnitt von sechs Prozent liegt, keimt Hoffnung auf eine Wende am Arbeitsmarkt auf. "Das sind wirklich gute Zahlen", sagte Craig Dismuke vom Finanzdienstleister Vining Sparks.

Die Rotstift-Politik des Staates bremste den Aufwärtstrend jedoch. Unter dem Strich wurden 10.000 Stellen im öffentlichen Sektor gestrichen. Da Demokraten und Republikaner sich im erbitterten Haushaltsstreit im Kongress nicht einigen konnten, ist die öffentliche Hand zu milliardenschweren Einsparungen gezwungen.

In den kommenden Monaten könnten die seit dem 1. März greifenden automatischen Ausgabenkürzungen des Staates die Beschäftigungszuwächse etwas dämpfen, befürchtet Postbank-Ökonom Thilo Heidrich. Der Jobmarkt bleibe jedoch in einer "stabilen Erholungsphase". Die Industrie stellte 14.000 neue Mitarbeiter und beschleunigte damit ihren Jobaufbau.

Angesichts der Erholung am Immobilienmarkt und des Wiederaufbaus nach Hurrikan "Sandy" an der Ostküste im Herbst hat auch die Bauindustrie wieder alle Hände voll zu tun. Der Jobaufbau fiel im Februar mit 48.000 so stark aus wie seit März 2007 nicht mehr.

“Der Arbeitsmarkt sieht ziemlich robust aus”, sagte Drew Matus, Vize-Chefvolkswirt USA bei UBS Securities LLC in Stamford. “In den meisten Bereichen gab es eine recht gesunde Zuwachsrate. Die Fed wird glücklich sein, diese Zahlen zu sehen”, so der Ökonom, der die Arbeitslosenquote korrekt vorhergesagt hatte. “Sie signalisieren, dass sie genau das Richtige tun, um die Wirtschaft anzukurbeln.”

Das Wachstum der US-Wirtschaft war am Jahresende fast zum Stillstand gekommen. Das schürte Befürchtungen, der Wirtschaft könnte trotz einer Börsenrally und milliardenschwerer Konjunkturspritzen der Notenbank die Puste ausgehen. Die Federal Reserve, die Vollbeschäftigung fördern soll, ist jedoch von einer anhaltenden Erholung überzeugt. Sie hat das Wachstum mit ihrer Nullzinspolitik und einer Reihe weiterer konjunkturstimulierender Maßnahmen - im Fachjargon QE genannt - maßgeblich angeschoben.

Sie will ihre monatlichen Wertpapierankäufe im Volumen von 85 Milliarden Dollar so lange fortsetzen, bis sich die Perspektiven am Arbeitsmarkt durchgreifend aufgehellt haben. Fed-Chef Ben Bernanke hatte zuletzt im Kongress Spekulationen zurückgewiesen, die Geldschwemme könnte vorzeitig gestoppt werden.

Die Erholung am Jobmarkt hat nun eine Stärke erreicht, die eine deutliche Verringerung der Arbeitslosigkeit möglich macht. Einer Faustregel zufolge müssen dafür Monat für Monat rund 250.000 Stellen geschaffen werden. "Es ist noch zu früh, um das Ende von QE auszurufen", sagte Analyst Omer Esiner von Commonwealth Foreign Exchange. Jedoch könnte die Aufhellung am Arbeitsmarkt die Fed dazu bewegen, früher als gedacht aus den Anleihe-Käufen auszusteigen.

Agentur
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Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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Bloomberg / Nachrichtenagentur

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  • Ich finde das gut.Bei einer Quote von 6,5% will Bernanke endlich die Zinsen anheben!
    Gehen die Zahlen weiter so zurück,wäre dies schon in 6 Monaten der Fall,was will man mehr.Hoffentlich hält er sich dran und hat dann nicht die nächste Ausrede.Denn es ist schon paradox,Billigzinsen für Sparer und ATH`s für Zocker.Das ist doch pervers,Sparer werden zum "Bösenzocker",um ihr Geld zu "retten".Beim letzten ATH im Dow hatten wir übrigends einen Leitzinssatz von exakt4,5% ,heute fast null,das bedeutet Sparer werden real durch Inflation enteignet und werden so in riskantere Anlagen getrieben.Denn das die Börsen regelmäßig einbrechen,ja das haben wir wohl oft genug erlebt.

  • Schon bei der Überschrift habe ich die Augen verdreht. "Die USA schaffen Arbeitsplätze..." - als ob eine Regierung (das ist mit "USA" ja wohl gemeint) Arbeitsplätze schafft! Typischer Politiker-Irrtum, gerne geteilt von JournalistInnen, insbesondere der verschiedenen sozialistische Färbungen, wie sie auch gerne in Wirtschaftsredaktionen zu finden sind.

    Aber mein zweiter Gedanke war dann: liebes HB, sie haben ja so recht. Die Regierungen, auch unsere, schaffen tatsächlich Arbeitsplätze: mittels statistischer Methoden.

    PS: "Arbeitsplätzeschaffung" per Dekret, dh. mittels Konjunkturprogrammen, neuem Gesetzeswust, Gelddrucken und Schaffung von Staatsjobs z.B. Sowieso-BeautragtInnen lasse ich nicht gelten, weil diese netto auf Dauer Jobvernichter sind (und zwar von produktiven Jobs, dh. von Jobs, die netto Kapital schaffen, nicht verzehren).

  • "Und wer besch.... uns hier am meisten?"

    Mein Tip: Die FED-Eigner :-))

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