ARD-„Brennpunkt“ zum Terror in Paris: „Momentan nicht unbrisant“

ARD-„Brennpunkt“ zum Terror in Paris
„Momentan nicht unbrisant“

Die ARD widmete dem Terror in Frankreich eine weitere „Brennpunkt“-Sendung. Moderator Markus Preiß führte durchs Programm, ein Veteran der Terrorbekämpfung übte Kritik am Einsatz der französischen Einsatzkräfte.
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Aktuelle „Brennpunkt“-Sendungen nimmt die ARD gerne ins Programm. Über ihre Berechtigung wird mitunter diskutiert. Einen „Brennpunkt“ mit derart offensichtlicher, trauriger Berechtigung wie am gestrigen Freitag gab es wohl selten.

Moderator Markus Preiß führte vor dem Freitagabend-Fernsehfilm angemessen ernst, beinahe bleich durch eine halbstündige Mischung im „Tagesthemen“-Stil. Korrespondentenberichte aus Dammartin-en-Goële und Paris, Straßeninterviews mit bemerkenswert besonnenen Franzosen („wie im Krieg“ sei der Belagerungszustand in Dammartin gewesen) und Zusammenfassungen in Chronik-Form, was am Freitag und was überhaupt an den für Frankreich fürchterlichen letzten drei Tagen geschehen ist, um "ein bisschen Ruhe“ (Preiß) reinzubringen, folgten aufeinander.

Der Ruhe hätten etwas längere und hintergründigere Berichte geholfen. Aber einen Eindruck von der aktuellen Dramatik, ohne sensationsheischend zu sein, gab der „Brennpunkt“. Bestimmte eher Erleichterung, weil die Ungewissheit vorbei ist, oder Trauer angesichts der enorm hohen Zahl von Todesopfern die Stimmungslage?

Preiß hielt die Waage und damit die Balance der Sendung. Für Überraschung, womöglich beim Moderator selbst, sorgte ein Interview im Studio: Ulrich Wegener, in den 1970er-Jahren erster Leiter der deutschen GSG 9, die etwa 1977 in Mogadischu die entführte „Landshut“ aus Terroristenhand befreite, war persönlich im WDR-Funkhaus.

Aus Stolz auf seine Entwicklung („Die GSG 9 ist ja heute die führende Spezialeinheit in der EU“) und eigenen Erfahrungen der Kooperation mit Frankreich („Mit den Franzosen war es immer ein bisschen problematisch“) entwickelte sich schnell Kritik an der gestrigen Operation, die er tagsüber „vorm Fernseher“ (Preiß) verfolgt hatte.

Der Zugriff sei zu spät erfolgt, „weiß der liebe Himmel, warum man so lange gewartet hat“, fand Wegener – und damit hatte sich das Kurzinterview fast schon. Es blieb unklar, ob Moderator Preiß es wegen der Problematik, bereits am selben Tag harte Kritik an Polizeieinsätzen unter extremen Bedingungen im Nachbarland zu äußern, abgebrochen hatte. Viel Zeit bekam keiner der zahlreichen Beiträge zugestanden.

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Spannungen in Frankreich „viel akuter“

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