Argentinien
Vom Fußball-Club-Präsidenten zum Staatschef

Der ehemalige Präsident des Fußballvereins Boca Juniors spielt jetzt als Staatschef in einer höheren Liga. Mauricio Macri ist neuer Hoffnungsträger Argentiniens. Doch auf Macri wartet aber ein Problemberg.

Buenos AiresWenn es in Argentinien etwas zu feiern gibt, eilen die Menschen zum Obelisken in Buenos Aires, dem Wahrzeichen der Hauptstadt. Die Anhänger von Mauricio Macri bejubeln dort am Sonntagabend die Zeitenwende - schon früh ist klar, es reicht.

Der bisherige Bürgermeister und frühere Chef des Maradona-Clubs Boca Juniors wird als neuer Staatspräsident in die ein paar hundert Meter entfernt liegende Casa Rosada einziehen. Damit endet vorerst die peronistische Ära. Mit seiner vierjährigen Tochter Antonia auf den Schultern feiert Macri im Konfettiregen den Sieg in der Stichwahl gegen Regierungskandidat Daniel Scioli.

„Dies ist ein historischer Tag, ein Epochenwechsel“, ruft der gelernte Ingenieur und Sohn eines der reichsten Argentinier seinen Anhängern zu. In der Casa Rosada regierte seit 2007 Cristina Fernández de Kirchner. Am 10. Dezember zieht dort Macri ein.

Mit dem 56-jährigen kommt eine Koalition an die Macht, die einen Nenner in der Ablehnung des Populismus linker Prägung der Kirchner-Ära gefunden hat, der in der Tradition des verehrten Präsidenten Juan Domingo Perón auf eine staatlich gelenkte Wirtschaftspolitik setzte und Investoren eher vergraulte.

Was sind die größten Probleme? Macri will eine Einigung im Streit um Milliardenschulden bei Hedgefonds suchen – sie hatten sich im Zuge der Staatspleite 2001 geweigert, einen Schuldenschnitt zu akzeptieren. Wegen der nicht beglichenen Schulden gilt Argentinien technisch als zahlungsunfähig, was es immer schwerer macht, an frisches Geld aus dem Ausland zu kommen. Die starken Subventionen, die von der Kirchner-Regierung in öffentliche Dienstleistungen und Sozialprogramme gesteckt wurden, haben ein enormes Haushaltdefizit erzeugt. Es fehlt Geld für Investitionen.

Die Freigabe des staatlich kontrollierten Devisenmarktes könnte die jetzt schon zweistellige Inflation weiter anheizen. Wegen der Devisenkontrollen blüht der Schwarzmarkt, fast jeder wechselt dort, für einen Euro gibt es 15 statt der offiziellen 10 Pesos. Wer als Tourist mit der Kreditkarte zahlt, erlebt einen weitaus teureren Urlaub, als wenn man Euros auf dem Schwarzmarkt tauscht. Macri wird versuchen, wieder etwas mehr Ordnung in die Finanz- und Wirtschaftspolitik zu bringen und Investoren anzulocken.

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Wirtschaftsprobleme werden alle Energie kosten

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