Argentinien-Wahl
Mit Wirtschaftsthemen hängt Kirchner ihren Herausforderer ab

Die argentinische Präsidentin Cristina Fernández Kirchner hat in der Präsidentschaftswahl die Nase vorn. Ihr Herausforderer hatte darauf gehofft, eine Stichwahl erzwingen zu können.
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Buenos AiresDie argentinische Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner ist ersten Auszählungsergebnissen zufolge wiedergewählt worden. Die 58-jährige gemäßigte Linkspolitikerin schaffte demnach bereits im ersten Wahlgang 53 Prozent

Erforderlich für einen Sieg waren entweder mehr als 45 Prozent der Stimmen oder mindestens 40 Prozent und ein Vorsprung von mindestens zehn Prozentpunkten vor ihren Herausforderern. Kirchners wichtigster Herausforderer, der Sozialist Hermes Binner (68), erhielt den Hochrechnungen zufolge 16,9 Prozent der Stimmen. Er hatte gehofft, eine Stichwahl erzwingen zu können.

Vor dem Präsidentenpalast versammelten sich hunderte fahnenschwenkende Anhänger Kirchners und feierten ihren Sieg mit Feuerwerk. Die Amtsinhaberin war als haushohe Favoritin in die Wahl gegangen. Nachdem Kirchners Mann, der vorherige Präsident Nestor Kirchner, vor einem Jahr plötzlich an einem Herzinfarkt starb, waren die Popularitätswerte für die schwarz gekleidete Witwe in die Höhe gegangen. Profitieren konnte sie zudem von der guten Wirtschaftslage des Landes.

Kirchner konnte sich im Wahlkampf auf die boomende Wirtschaft und die niedrige Arbeitslosigkeit stützen. Zudem profitierte sie von der Schwäche der Herausforderer. Es könnte der deutlichste Sieg bei einer Präsidentenwahl in Argentinien seit 1973 werden, als Juan Domingo Peron 62 Prozent der Stimmen bekam. Mit Spannung wird erwartet, ob Fernandez und ihre Peronistische Partei auch die Mehrheit im Kongress zurückerobern können. Dies würde es der Präsidentin erleichtern, ihre umstrittene Wirtschaftspolitik fortzusetzen.

Kritiker werfen der Regierung vor, die Unabhängigkeit der Notenbank zu missachten und Inflationsdaten in der drittgrößten Volkswirtschaft Lateinamerikas schönzurechnen. Zudem wird Fernandez vorgehalten, sich mit Preisobergrenzen und Exportvorschriften zu stark in die Marktwirtschaft einzumischen. Doch angesichts der anhaltend hohen Wachstumsraten von durchschnittlich mehr als sieben Prozent und den niedrigsten Arbeitslosenzahlen seit rund 20 Jahren kann Fernandez auf einen großen Rückhalt in der Bevölkerung setzen.

Ob sich zunehmende Wohlstand und Erfolg aber festigen werden, hängt nach Einschätzung von Analysten vor allem davon ab, ob Fernandez die Teuerung in den Griff bekommt. Denn nach Einschätzung von Volkswirten beträgt die Inflation fast 25 Prozent, was vor allem die kleineren Einkommen trifft. Und ein sich abzeichnender Rückgang des Weltmarktpreises für Soja, dem wichtigsten Exportprodukt Argentiniens, und eine konjunkturelle Abkühlung im Nachbarland Brasilien, dem wichtigsten Handelspartner, könnte Fernandez das Regieren erschweren.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
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