Armee bricht auseinander
Kämpfe in libyscher Stadt Bengasi

Teile der libyschen Armee haben in der Stadt Bengasi Stützpunkte islamistischer Milizen angegriffen. 12 Menschen starben, Dutzende wurden verwundet. Der Befehl für den Angriff kam nicht vom Generalstab in Tripolis.
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Tripolis/Bengasi Angehörige der libyschen Armee haben in der östlichen Stadt Bengasi auf eigene Faust zwei Stützpunkte islamistischer Milizen angegriffen. Bei den Kämpfen kamen am Freitag auf beiden Seiten 12 Menschen ums Leben, mindestens 91 wurden verwundet, wie die staatliche Nachrichtenagentur Lana meldete. Der Befehl für die Militäroperation wurde nicht vom Generalstab in Tripolis gegeben, sondern von einem ehemaligen Generalmajor. Jener Chalifa Haftar hatte im vergangenen Frühjahr erfolglos versucht, die Regierung zu stürzen.

Lokale Medien berichteten unter Berufung auf Ärzte in zwei Krankenhäusern, bei Gefechten seien 27 Menschen verletzt worden. Den Angaben zufolge starb zudem ein Kämpfer einer islamistischen Brigade.

Nach einem Bericht des Nachrichtenportals „Al-Wasat“ schlossen sich einige Offiziere der Luftwaffe und Angehörige einer in Bengasi stationierten Spezialeinheit Haftar an. Kommandeure der Armee in den östlichen Städten Tobruk und Al-Beidha lobten die eigenmächtige Aktion, wollten aber keine Truppen nach Bengasi schicken. Auch Teile der Bevölkerung im Osten Libyens reagierten positiv auf die Operation gegen die Extremisten, die sich selbst als „Revolutionäre“ bezeichnen.

Generalstabschef Abdel Salam al-Obeidi forderte die Luftabwehr-Truppen in Bengasi auf, keine Angehörige anderer Einheiten und keine bewaffneten Zivilisten auf ihren Stützpunkten zu dulden. Das meldete die Agentur Lana. Der Chef der Übergangsregierung, Abdullah al-Thinni, kritisierte die Offensive in Bengasi. Er sagte in einer Fernsehansprache: „Wir betrachten die Operation, die heute stattfand, als Verstoß gegen die Legitimität.“

Der Osten Libyen hat sich seit dem Sturz des Regimes von Langzeitmachthaber Muammar al-Gaddafi 2011 zu einem weitgehend rechtsfreien Raum entwickelt. In der Stadt Derna versuchen radikale Islamisten, einen „Scharia-Staat“ zu etablieren. In Bengasi fielen Dutzende von Angehörigen der Sicherheitskräfte Attentaten zum Opfer. Die Attentäter wurden nicht gefasst. In den vergangenen Wochen gab es auch vereinzelte Angriffe auf Angehöriger militanter Islamisten-Gruppen.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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