Armenien-Resolution
Erdogan verbittet sich Belehrungen aus Berlin

Nach der Armenien-Resolution des Bundestags äußert sich der türkische Präsident Erdogan zu Wort. Er verbittet sich ein Urteil Deutschlands in dieser Frage – und erinnert an deutsche Gräueltaten in Südwestafrika.
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Istanbul, BerlinRecep Erdogan hat seinen Ton gegenüber Deutschland verschärft. Deutschland sei „das letzte Land“, das über einen „sogenannten Völkermord“ der Türkei abstimmen solle, sagte der türkische Präsident nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu in Istanbul. Zunächst solle Deutschland Rechenschaft über den Holocaust und über die Vernichtung von mehr als 100.000 Herero in Südwestafrika Anfang des 20. Jahrhunderts ablegen.

Deutschland habe kein Recht, in dem Punkt Urteile zu fällen, sagte Erdogan mit Blick auf die Verbrechen Deutschlands während der NS-Diktatur und in Namibia. Zwischen 1904 und 1908 hatten Kaiserliche Truppen im damaligen Deutsch-Südwest zehntausende Menschen ermordet, die den Völkern Herero und Nama angehörten.

Bereits am Samstagabend hatte Erdogan harte Kritik an der Einstufung der Massaker an den Armeniern als Völkermord geübt und besonders die türkischstämmigen Bundestagsabgeordneten angegriffen, die für die Resolution gestimmt hatten. Ihnen warf er nach Angaben von Anadolu vor, der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK als verlängerter Arm zu dienen. „Es ist sowieso bekannt, wessen Sprachrohr sie sind“, sagte Erdogan über die türkischstämmigen Abgeordneten. „Von der separatistischen Terrororganisation in diesem Land sind sie die Verlängerung in Deutschland.“

Später legte er noch einmal nach. „Manche sagen, das seien Türken“, sagte Erdogan über die Abgeordneten. „Was denn für Türken bitte?“ Erdogan sprach sich dafür aus, den Abgeordneten Blutproben entnehmen zu lassen. „Ihr Blut muss durch einen Labortest untersucht werden.“

„Wir werden die Anschuldigung eines Völkermords niemals akzeptieren“, sagte Erdogan. Der türkische Staatschef hatte unmittelbar nach der Bundestagsabstimmung gedroht, die Resolution werde „ernste“ Folgen für die deutsch-türkischen Beziehungen haben. Er warnte nach einem Bericht von Anadolu, der Türkei gebühre eine „faire“ Behandlung. Andernfalls werde die Türkei für die EU nicht länger als Barriere für Flüchtlinge einspringen.

Der Bundestagsabgeordnete Özcan Mutlu (Grüne) sprach von einer neuen Qualität der Bedrohung – „zumal irgendwelche durchgeknallten Verrückten das sich anhören und denken, die Obrigkeit hat befohlen. So sind viele Menschen in der Türkei zu Tode gekommen“, sagte er am Sonntag der ARD-„Tagesschau“.

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  • Mörder muss man laut und deutlich Mörder nennen dürfen!

    Aber warum gerade unsere Marionetten im Reichstag darüber abstimmen müssen?

    (Die Fraktionsvorsitzenden wollten ihnen wohl mal wieder ein Zuckerl hinwerfen, damit sie nicht allzu frustriert werden, wenn sie auf Kommando: "Fraktionszwang", ständig ihre Pfötchen heben müssen.)

  • @Keizer

    ich hatte eingangs geschrieben "da "Gauck" nicht kommentiert werden kann schreibe ich meinen Senf auch hier dazu:"
    Inzwischen kann "Gauck" kommentiert werden - hat sich hier also tatsächlich "erledigt"

    In der "Rente" wurden vor wenigen Tagen 73 Jahre als "Start" für den normalen Arbeitnehmer in's Spiel gebracht. Darauf bezog sich mein Kommentar.

    Das von Ihnen in's Speil gebrachte "reale Renteneintrittsalter" mag zutreffen.
    Wenn ein "normaler" Arbeitnehmer, der i.d.R. je nach Beruf, "härter" arbeiten muss, als der Herr Gauck, früher in Rente gehen muss / will, wird er mit nicht zu unterschätzenden Abschlägen (von wesentlich geringeren Beträgen) abgespeist.

    Nach meiner Kenntnis, ist das bei Bundespräsidenten nicht der Fall.

    Der Herr Wulff (Jg. 1959) kassiert seit seinem "Abgang" trotzdem "voll" (~200.000€/Jahr + Fahrdienst u.ä.).
    Köhler hat, soweit mit bekannt, nach seinem Rücktriff auf die Präsidentenpension von sich aus verzichtet.

  • Erdogan hat recht, diese überflüssige Quasselbude stört nur. Ich pflege öfters in türkischen Hotel zu wohnen, das Personal denkt ja man ist in Deutschland verblödet.

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