Armut in Japan: „Die Lage wird schlimmer“

Armut in Japan
„Die Lage wird schlimmer“

Jahrzehntelang galt Japan als erfolgreiche Wirtschaftsmacht. Doch die Krise und eine rasante Überalterung hinterlassen Spuren. Obdachlose gibt es kaum, dafür übernachten Menschen in Fast-Food-Restaurants.
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TokioUm 5.30 Uhr morgens schwingt sich Shizue Shumi auf ihr Fahrrad und fährt zur Arbeit in einen rund um die Uhr geöffneten Supermarkt. 15 Stunden die Woche arbeitet die junge Japanerin dort. Sie übernimmt die Früh- und die Nachtschichten, denn die sind am besten bezahlt. Tagsüber holt sie ihren Oberschulabschluss in einer Fernschule nach.

Mit ihrem Lohn von monatlich 50.000 Yen (ca. 350 Euro) hilft die 19-Jährige zu Hause ihrer alleinerziehenden Mutter und den drei Geschwistern, dass sie über die Runden kommen. Auch ihre kranke Mutter hat nur einen unsicheren Job als Teilzeitkraft. „Ich kaufe Instant-Nudelsuppen und Brot. Irgendwie komme ich schon zurecht“, schildert Shumi dem Rundfunksender NHK. In der Sendung geht es um ein Thema, das es vor wenigen Jahren im reichen Japan noch gar nicht gab: Armut.

Einer von sechs Japanern lebt inzwischen unter der Armutsgrenze. Die ist nach den Maßstäben der Statistiker ähnlich klar gezogen wie in Deutschland: Wer in Japan als Single weniger als 100.000 Yen (ca. 700 Euro) im Monat zum Leben hat, gilt als arm.

Demnach leben inzwischen 16,1 Prozent der Japaner von einem Jahreseinkommen unterhalb der Hälfte des nationalen Durchschnittseinkommens, das bei 2,4 Millionen Yen im Jahr liegt. Einer Studie der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zufolge hat die drittgrößte Industrienation damit nach Mexiko, der Türkei und den USA die vierthöchste Armutsquote unter den 30 OECD-Staaten.

„Wir spüren, dass die Armut und das Einkommensgefälle in der Bevölkerung unter der Wirtschaftspolitik der Regierung von Ministerpräsident Shinzo Abe weiter zugenommen hat“, erklärt Ren Onishi von der Hilfsorganisation Moyai in Tokio. Die harmonischen Zeiten, in denen Japans Unternehmen der traditionellen Firmenkultur folgend nur selten betriebsbedingte Kündigungen aussprachen und sich die Bürger beim Staat und ihrem Arbeitgeber geborgen fühlen konnten, sind vorbei. Inzwischen arbeiten rund ein Drittel der Beschäftigten in unsicheren Arbeitsverhältnissen. Viele haben mehrere Teilzeitjobs, um über die Runden zu kommen.

Auf den ersten Blick ist die Armut in Japan nicht gleich sichtbar. Die Zahl der Obdachlosen sei sogar gesunken, erklärt Onishi. 2003 habe man noch 25.000 Obdachlose gezählt, im vergangenen Jahr nur noch 7500. Viele Obdachlose würden vom Staat unter anderem wegen der bevorstehenden Olympischen Spiele 2020 in Tokio aus ihren Lagerplätzen in Parks, an Flussufern und Bahnhöfen vertrieben und tauchten nicht mehr in den Statistiken auf.

Nicht erfasst würden zudem jene Menschen, die aus Geldmangel in 24 Stunden geöffneten Internet-Cafés oder Fast-Food-Restaurants übernachten müssen. Immer wieder geraten Bedürftige in die Fänge von Kriminellen, die ein regelrechtes „Geschäft mit der Armut“ betreiben, erklärt Onishi.

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  • ist Abe nicht damit angefangen massenweise Geld in die Märkte zu pumpen?

    die USA waren die nächsten
    und danach ist nun Europa dran

    ja, diese Form der Armut - haben wir doch im Süden schon längst! Es dauert nur noch ein, zwei Billionen bis sie auch bei uns im Norden Europas ankommt!

  • Europa und Japan kann man nicht gleichsetzen.

  • Willkommen im Kapitalismus 2.0

    Arbeitslosigkeit gilt in Japan als Schande und Grund für den berühmten Harakiri. Die Depressionsraten sind exorbitant hoch.

    Schön hingucken, denn so fern ist das im kuscheligen Europa auch nicht mehr.

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