"Arnie" im Stil eines Hollywoodstars
Der Terminator will in Kalifornien aufräumen

Für den ehemaligen Schauspieler Ronald Reagan war Kalifornien das Sprungbrett ins Weiße Haus. Nun will mit Arnold Schwarzenegger ein zweiter Hollywoodstar Gouverneur des bevölkerungsreichsten Bundesstaat der USA werden - und hätte dafür keinen besseren Zeitpunkt wählen können: Kalifornien steckt in seiner tiefsten Krise, und der erst vor knapp einem Jahr gewählte demokratische Gouverneur Gray Davis steht mit dem Rücken zur Wand und muss gegen seine Absetzung im Oktober kämpfen.

HB/dpa WASHINGTON. Dennoch hat kaum jemand die Entscheidung des Terminator-Stars erwartet. Fast alle waren davon ausgegangen, dass der 56-Jährige am Mittwoch seinen Verzicht bekannt geben würden. Doch ganz im Stil eines Hollywood-Stars wählte „Arnie“ dann die spätabendliche Comedy- Sendung des Startalkers Jay Leno für seine Überraschung.

Unter dem Jubel des Publikums erklärte der gebürtige Österreicher in seinem starken Akzent, Kalifornien befinde sich in einer desaströsen Lage, die Politiker versagten und kein Politiker versage mehr als Gouverneur Gray Davis. Deshalb müsse Davis abgesetzt werden, „und deshalb werde ich für das Amt des Gouverneurs kandidieren“, erklärte der Republikaner.

Mit seiner überraschenden Ankündigung sorgt der Terminator-Star nicht nur in Kalifornien sondern auch im Washingtoner Sommerloch für Wirbel. Die Demokraten, die wegen der ungewöhnlichen Absetzungskampagne gegen Davis ohnehin in Aufregung sind, wurden am Mittwoch noch nervöser. Der Geschäftsführer der Demokratischen Partei, Terry McAuliffe, sagte am Mittwoch nur wenige Minuten vor dem geplanten Beginn eine Pressekonferenz ab.

Für die Demokraten steht viel auf dem Spiel. Sie befürchten, dass ein republikanischer Gouverneur bei der nächsten Präsidentenwahl dem Amtsinhaber George W. Bush Kalifornien auf dem Präsentierteller präsentieren könnte. Das wäre für Bush, der in dem Riesenstaat bei der letzten Wahl gegen Al Gore unterlegen war, ein entscheidender Schritt auf dem Weg zum Wiedereinzug ins Weiße Haus. Und noch wissen die Demokraten nicht, wie sie der praktisch nur von einem Davis-Gegner finanzierte Abwahlkampagne begegnen sollen.

Bisher haben sie keine Alternative zu Davis aufgestellt und vertrauen darauf, dass der bereits häufig totgesagte Politiker noch einmal überlebt. Doch bei Zustimmungsraten von nur noch 20 Prozent dürfte es auch Davis schwer fallen, in den kommenden zwei Monaten das Vertrauen der Wähler zurückzugewinnen.

Davis, der bereits unter einer massiven Energiekrise politisch zu leiden hatte, die von dem Pleite gegangenen betrügerischen Energieriesen Enron mitverursacht worden war, muss nun mit einem Rekorddefizit von 38 Milliarden Dollar regieren. Dass Bushs Steuerkürzungen zu der Krise beigetragen haben, will in Kalifornien kaum jemand noch hören. Die Bewohner des Goldenen Staates wollen nur einfach wieder der Boomstaat der USA werden.

Und hier sieht der schillernde Action-Star Schwarzenegger seine Chance im Kampf gegen den grau wirkenden Davis. Er versprach, Kalifornien wieder den alten Glanz zurückzugeben. Doch Beobachter erwarten, dass der politisch kaum erfahrene Schwarzenegger im Wahlkampf auch etwas von seinem Glanz verlieren dürfte. Sie gehen davon aus, dass unter anderem das Privatleben des mit Maria Shriver - einer Nichte des ermordeten Präsidenten John F. Kennedy - verheirateten Stars durchleuchtet wird.

Schon im vergangenen Jahr, als Schwarzenegger über eine Kandidatur nachdachte, wurden die Nachrichtenredaktionen der Zeitungen und Fernsehsender mit Faxen und E-Mails über angebliche Affären und „notorisches Grapschen“ des Stars zugeschüttet. Maria Shriver soll sich damals klar gegen eine Kandidatur ihres Mannes ausgesprochen haben. Doch in der Sendung zeigte sich Schwarzenegger gewappnet. Er wisse, dass Davis besser darin sei, Schmutzkampagnen zu führen als zu regieren und Frauengeschichten aufbringen werde. Doch dafür werde seine Frau, die als Kennedy eingefleischte Demokratin ist, am 7. Oktober erstmals einen Republikaner wählen.

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