Asean-Gipfel
Asiens Tiger zahlen die Zeche

Nicht nur in den USA und Europa erlebt die Automobilindustrie derzeit einen beispiellosen Einbruch - auch in Asien wird die Kraftfahrzeugbranche derzeit gehörig durchgeschüttelt. Auf dem Asean-Gipfel suchen Südostasiens Exportländer deshlab derzeit eine neue Wachstumslokomotive. Die Wut der Region über die USA als Verursacher der Krise ist dabei groß.

DELHI. Während der Asienkrise Ende der 90er-Jahre hat Kwanruan Padklang schon einmal ihren Job verloren. Doch die aktuelle Krise, sagt die Fabrikarbeiterin aus Nakhon Ratchasima im Nordosten Thailands, sei noch viel brutaler. Binnen vier Monaten wurden von den einst 1 700 Beschäftigten in ihrer Fabrik 1 050 entlassen. Jetzt hat es auch die allein erziehende Mutter zweier Kinder erwischt. Ihr Arbeitgeber, das japanische Unternehmen Shin-Ei High Tech, beliefert die Automobilindustrie. Und die erlebt auch in Asien einen beispiellosen Einbruch.

Kwanruan teilt ihr Schicksal mit Millionen Arbeitern in Asiens Exportländern. Die wachstumsverwöhnten Tigerstaaten und ihre aufstrebenden Nachbarn leiden noch stärker unter der Rezession als die USA und Europa. Thailands Wirtschaft schrumpfte von Oktober bis Dezember um 4,3 Prozent verglichen mit dem Vorjahr, in Singapur betrug das Minus dramatische 16,9 Prozent, die Industrieproduktion Malaysias brach allein im Dezember um 15,6 Prozent ein. Je exportabhängiger das Land, desto tiefer die Bremsspuren. Führende Ökonomen mahnen dringend eine Kehrtwende hin zu einer Wirtschaftspolitik an, die die Binnennachfrage fördert. "Es wird ein schmerzhafter, langwieriger Anpassungsprozess", prognostiziert der Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), Dominique Strauss-Kahn.

Doch wie soll dieser Paradigmenwechsel gelingen, der die Länder Ost- und Südostasiens schneller wieder auf Wachstumskurs bringt als ihre reichen Handelspartner im Westen? Die Staats- und Regierungschefs der zehn Asean-Staaten wollen darüber ab Samstag bei ihrem Gipfeltreffen im thailändischen Seebad Hua Hin beraten. Auch China, Indien und Südkorea sind geladen. Bisher konzentriere sich jedes Land nur auf die Lösung seiner eigenen Probleme, in einigen Fällen auf Kosten der Nachbarn, bemängelt Gastgeber Abhisit Vejjajiva, Thailands Premierminister. "Asean muss ein Beispiel der Zusammenarbeit geben, indem alle Mitglieder die Krise gemeinsam bewältigen." Die zehn Länder wollen deshalb einen Fahrplan zur Errichtung eines gemeinsamen Wirtschaftsraums bis 2015 nach dem Vorbild der EU beschließen.

Das ist leichter gesagt als getan in einer so heterogenen Staatengruppe mit reichen Ländern wie Singapur und bettelarmen wie Birma, deren politische Systeme von funktionierenden Demokratien bis hin zu brutalen Diktaturen reichen. Zwar haben die meisten Länder umfangreiche Hilfspakete für ihre Wirtschaft geschnürt. Singapur, Thailand, Indonesien und Malaysia, um die ökonomisch wichtigsten zu nennen, haben zum Teil massiv die Ausgaben erhöht sowie Steuern und Zinsen gesenkt. Und anders als in der Krise vor zwölf Jahren können sie sich diese expansive Politik dank überwiegend gesunder Staatsfinanzen und sinkender Inflationsraten auch leisten.

Seit der Asienkrise sind die Tigerstaaten und ihre Nachbarn - mit Ausnahme Südkoreas - Musterschüler ökonomischer Vorsicht. Während Amerikas Bürger massiv auf Pump konsumierten, legten Asiens Haushalte ihr Geld auf dem Sparkonto beiseite und finanzierten die Party jenseits des Pazifiks über hohe Zahlungsbilanzüberschüsse. Während die Banken in den USA und Europa immer größere Mengen riskanter Wertpapiere anhäuften, blieb das Engagement asiatischer Institute im US-Subprime-Markt gering.

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