Asean-Staaten
EU korrigiert Handelspolitik in Asien

Die Europäische Union plant nach heftiger Kritik aus der Wirtschaft eine Korrektur ihrer Handelspolitik mit Südostasiens Tigerstaaten und deren Nachbarn. Brüssel will über den Abbau von Zöllen und Handelsschranken künftig auch bilateral mit einzelnen Staaten verhandeln statt nur mit dem gesamten Verband Südostasiatischer Nationen (Asean).

DELHI. "Der Prozess mit Asean war bis jetzt sehr langsam", sagte EU-Handelskommissarin Catherine Ashton dem Handelsblatt. "Wir müssen deshalb prüfen, wie wir mit einzelnen Ländern schneller vorankommen, die dazu bereit sind."

Bisher hatte die EU bilaterale Gespräche mit ausgewählten Asean-Staaten stets abgelehnt und auf einem Freihandelsabkommen mit allen neun Mitgliedern außer Birma bestanden. Doch die Gespräche stecken seit Jahren fest. Für europäische Unternehmen bringt das Wettbewerbsnachteile, da wichtige Konkurrenten wie Japan, China, die USA und Australien bereits Zollpräferenzen mit dem Asean oder einzelnen Mitgliedsländern ausgehandelt haben. "Deutsche Exporteure in die Asean-Region sind zunehmend benachteiligt, weil sie höhere Zölle als ihre Wettbewerber zahlen müssen", warnt Deutschlands Botschafter in Thailand, Hanns H. Schumacher. Auch gehe deutschen Firmen der Standortvorteil lokaler Produktion verloren, wenn andere Länder Freihandelsabkommen schließen.

Beispiel Autoindustrie: Beim Import eines Pkw aus der EU mit mehr als zwei Litern Hubraum berechnet Thailand auf den Einfuhrpreis astronomische 213 Prozent Zoll und Steuern. Ab drei Liter Hubraum sind es sogar mehr als 300 Prozent. Dagegen zahlen japanische Autokonzerne für Limousinen dieser Hubraumgröße dank eines Freihandelsabkommens ab 2010 nur 60 Prozent Zoll und geringere Steuern.

Luxusklasse-Hersteller wie BMW und Mercedes geraten deshalb etwa gegenüber dem japanischen Lexus - der Nobelmarke von Toyota - ins Hintertreffen. Für Deutschlands Autoindustrie seien die bisher erfolglosen Verhandlungen der EU "ein Riesenproblem", sagt Till Morstadt von der Kanzlei Lorenz & Partners in Bangkok. "Alle Handelspartner Südostasiens positionieren sich, nur die Europäer sind außen vor."

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