Ashton Carter als US-Verteidigungsminister nominiert
Der Bürokrat im Tarnanzug

Ashton Carter soll US-Verteidigungsminister werden. Präsident Obama will den Physiker offiziell nominieren. Seine Chancen von den Republikanern angenommen zu werden, stehen gut. Er würde aber keine leichte Aufgabe erben.
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San FranciscoBarack Obama blieb keine andere Wahl. Ein Mann des Kompromisses musste her als Nachfolger für den geschassten Verteidigungsminister Chuck Hagel. Angesichts der neuen Machtverhältnisse im Senat ab Anfang Januar blieb nur einer übrig, der bereits die Gnade der Königsmacher, der republikanischen Senatoren, finden dürfte: Ashton Carter.

Carter gilt als vorzeigbarer Kandidat, auch dann, wenn die Republikaner die Mehrheit im Senat stellen. Der 60-Jährige Vollblut-Bürokrat mit langjähriger Pentagon-Erfahrung ist einer, der das US-Militär in allen ihren Verästelungen kennt. Er ist Demokrat. Gleichzeitig nimmt er einen Standpunkt ein, der als „rechts von Obama“ charakterisiert werden kann. Von 2011 bis 2013 arbeitete er bereits als Vize im militärischen Machtzentrum der westlichen Welt. Im Jahre 2012, als es schon einmal um das Top-Amt im Pentagon ging, wurde er übergangen. Nun aber kommt die Stunde des studierten Physikers.

Der farblose Schreibtisch-Soldat, der selbst nie gedient hat, aber bald 1,5 Millionen Soldaten anführen wird, repräsentiert genau das, was Obama jetzt braucht: Professionalität, unbedingte Loyalität und wenig Angriffsfläche für seine Feinde. Dafür umso mehr wohlwollende Befürwortung eines harten und klaren Vorgehens gegen Amerikas externe Gegner.

Auch darum wird Carter höchstwahrscheinlich schnell die Anhörungsrunden im Senat erfolgreich überstehen. Zudem wollen die Republikaner nicht als diejenigen dastehen, die Amerika schutzlos den Feinden ausliefern, weil sie monatelang die Ernennung eines neuen Verteidigungsministers blockieren.

Ist Carter am Ruder, warten schwer zu lösenden Probleme auf ihn: Er muss die Rolle der Armee definieren, um die Terrormiliz IS niederzuzwingen, und gleichzeitig mit Syriens Präsident Assad fertig werden. Wenn Obama denn will.

Von Carter wird auch erwartet, dass er Russland im Ukraine-Konflikt die Stirn bietet und den Truppenabzug in Afghanistan ohne Katastrophe beendet. Und das gerade zu einem Zeitpunkt, in dem Obama immer mehr Truppen in den Irak zurücksendet.

Doch das ist noch nicht alles: Am Freitag bei seiner Ernennungsrede gab ihm Obama noch eine Aufgabe mit auf den Weg: Carter muss auch den Kampf gegen Ebola leiten. Die USA hat Tausende Soldaten zu humanitären Einsätzen nach Afrika geschickt. Ein Vorgehen, für das bei weitem nicht alle Republikaner Verständnis zeigen.

Zu beneiden ist der frühere Harvard-Professor also nicht, zumal er sich kaum Lorbeeren verdienen wird. Im schlimmsten Falle muss er in zwei Jahren den Sessel räumen, wenn ein Republikaner die Präsidentenwahl gewinnen sollte. Zwei Jahre sind angesichts der Schwere der Konflikte kaum genug, um sich zu profilieren.

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