Ashton will vermitteln
Die EU zeigt Flagge in Ägypten

Es war ein Geheimtreffen. Keine Fotos, nicht einmal eine Ortsangabe. Die EU-Außenbeauftragte Ashton traf Ägyptens gestürzten Präsidenten Mursi. Und nicht nur ihn: Die EU sucht mit Verve eine Vermittlerrolle in Kairo.
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Brüssel/KairoEs war ein diplomatischer Überraschungscoup der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton. Sie war die erste, die im Dunkel der Nacht zum Dienstag den an einem geheimen Ort festgehaltenen ägyptischen Ex-Präsidenten Mohammed Mursi sprechen durfte. Vier Wochen nach dem Sturz des islamistischen Politikers positionierte Ashton die Europäische Union als Vermittler im Streit zwischen Islamisten, Militärs und prowestlichen Ägyptern.

Und zugleich machte die britische Labour-Baronin, die sich seit November 2009 in der Rolle der EU-Chefdiplomatin oft schwergetan hatte, klar: Ein gutes Jahr vor ihrem Ausscheiden aus dem Amt fühlt sie sich nach ihrem Erfolg als Krisenmanagerin zwischen Serbien und dem Kosovo für noch Schwierigeres gerüstet.

„Wir sind hier, um zu helfen“, sagte sie am Dienstag in Kairo vor Journalisten, die nach einem EU-Plan zur innenpolitischen Befriedung Ägyptens fragten. „Wir zwingen niemandem etwas auf. Wir reden nicht mit sehr unterschiedlichen Leuten, weil wir besonders tolle Ideen haben, sondern weil wir die Ideen der Leute, die hier leben, zusammenbringen wollen.“ Und dann zählte sie auf, mit wem sie geredet hat: Von Armeekommandeur General Abdel Fattah al-Sisi über Mohammed ElBaradei bis hin zu Vertretern der Muslimbruderschaft.

Dieses Konzept - „Die Lösungen müssen von jenen gefunden werden, die Führungsverantwortung tragen, die Ägypter müssen entscheiden, wie es vorangehen soll“ - hatte sich in diesem Jahr schon einmal als erfolgreich erwiesen. Die Spitzenpolitiker von Serbien und dem Kosovo, die sich anfangs weder an einen Tisch setzen noch die Hand reichen mochten, unterzeichneten im April in Brüssel ein Abkommen über die künftigen Beziehungen - Ashton hatte zehn meist tief in die Nacht dauernde Verhandlungsrunden organisiert. Das internationale Lob für Geduld und Entschlossenheit der zuvor oft kritisierten EU-Außenbeauftragten war einhellig.

Vor ihrer Abreise nach Ägypten hatte Ashton wissen lassen, sie wolle „mit allen Seiten sprechen und unsere Botschaft unterstreichen, dass es einen alle einschließenden Transformationsprozess geben muss, zu dem auch die Muslimbruderschaft gehört“. Kurz vor Ende des Besuches räumte sie in Kairo ein, dass die Visite beim inhaftierten Mursi von vornherein Teil des Plans war: „Ich sagte (den Militärs), dass ich nicht kommen würde, wenn ich ihn (Mursi) nicht sehen könnte.“

Die EU-Außenpolitik befindet sich, was Ägypten angeht, in einem Dilemma. Es ist besonders akut, weil Ägypten erstens vor der Haustür der EU liegt und zweitens eine Schlüsselrolle im heftig schwelenden Nahostkonflikt spielt. Die drei großen politischen Lager Ägyptens haben zudem legitime Interessen, die dringend miteinander versöhnt werden müssen: Die Islamisten stellen mit Mursi einen gewählten Präsidenten, die säkularen Kräfte fürchten um demokratische Rechte und Freiheiten, die Militärs wollen vor allem Ruhe und Stabilität im Land.

Man müsse jeden in den Erneuerungsprozess Ägyptens einschließen, mahnte Ashton immer wieder. „Und das heißt, über die unterschiedlichen Ausgangspositionen nachzudenken, die die Leute verständlicherweise haben.“ Sie habe dazu „keine großen Botschaften“, sondern nur gute Dienste anzubieten. „Es ist klar, dass die EU eine Organisation ist, mit der jeder in Ägypten zu reden bereit ist“, formulierte Ashtons Sprecher Michael Mann am Dienstag. Von einer „Shuttle-Diplomatie“ wollte er nicht sprechen: „Sie redet derzeit mit allen.“ Und Ashton betonte, sie sei jederzeit zur Rückkehr nach Ägypten bereit, wenn dies sinnvoll sei.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Ashton will vermitteln: Die EU zeigt Flagge in Ägypten"

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  • Diese "Nummer" der EU-Außenpolitik ist doch gegen den Willen der nahezu gesamten EU Bevölkerung.
    Nichts ist in Europa beliebter als die Toleranz des Islam.
    Nun werden diese Herren mal selber nach ihrer Art behandelt, und zwar von Ihren Eigenen Leuten, also keine Ungläubigen Schweine die daran Schuld sind.

    Was mischen sich Diese! dann dort ein?
    Die kriegen ja noch nicht mal zu Hause in Europa irgendetwas Positives zu Stande.

    Macht doch erstmal euren eigenen Bevölkerungen das Leben etwas leichter, anstatt da große Reden zu schwingen.
    Die blanke Arroganz der heimatlichen Unfähigkeit.

  • EU zeigt Flagge in Aeypten...

    Noch dazu mit der so durchsetzungsfähigen britischen Aussenplumpuddingtrullageheimwaffe , nach dem oberkorrupten Solana EU`s bewährte SS20 Rocket.

    Lasst die Verschrobene bitte in Brüssel bei SPD Schulz Martin aufn Schoss, nicht dass die berüchtigte Vereinigung erneut wilde Investitionen betreiben, so wie seinerzeit die Finanzierung von Gaza Airport für paar hundert Millionen , kurhz darauf lächelnd zerlegt durch ein israelisches Bombengeschwader.
    Weg waren die 300 MIO ( incl. Deomkratie-Korruptionsgelder ).

    Die Dümmsten aufn Markt: EU Aussenpolitiker / EU-Wirtschaftsgurus.

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