Asien
China: Hilfe für die vergessenen Kinder

Vor einem Jahr hat das Handelsblatt über den chinesischen Lehrer Li Xiaopeng berichtet. Jetzt baut er mit Hilfe von Spenden aus Deutschland eine neue Schule.

XI'AN. Der Weg ist steinig, steil und lang. Das Ziel, ein kleines Haus oben in den Bergen, mehr als baufällig: die Dorfschule von Donggan in der chinesischen Provinz Shaanxi. Li Xiaopeng steht neben einer schwarzen Tafel, vor ihm 20 Kinder, sieben bis zwölf Jahre sind sie alt. Englisch steht jetzt auf dem Stundenplan. „Grandpa“, spricht Li mit schwerem chinesischem Akzent vor. Die Kinder antworten im Chor.

Sie sitzen auf wackeligen Stühlen in Blau und Weiß. Bei einigen fällt die Rückenlehne stets runter, sobald sich der Schüler bewegt. Das Dach der Schule ist löcherig, die Tür notdürftig aus Brettern zusammengenagelt, der gestampfte Lehmboden uneben.

Seit das Handelsblatt Lehrer Li im Frühjahr vergangenen Jahres zum ersten Mal besuchte, hat sich hier kaum etwas verändert. Li unterrichtet seit neun Jahren in dieser Schule, verdient umgerechnet 13 Euro pro Monat – wenn das Dorf ihn überhaupt bezahlt und nicht mal wieder ein Monatsgehalt vergisst. Der 37-Jährige macht trotzdem weiter. Aus Überzeugung.

Vor gut einem Jahr hat das Handelsblatt Li Xiaopeng in der Serie „Gesichter Chinas“ vorgestellt. Er war einer von 14 Chinesen, die für die heutige Volksrepublik stehen, die der neuen Welt- und Wirtschaftsmacht ein Gesicht gaben.

Viele Leser wollten helfen

Li arbeitet seit Ende der 80er-Jahre als Lehrer, stets in einer abgelegenen Dorfschule, wo kein anderer unterrichten will, wo es weder Schulbücher noch Heizung gibt, weder fließendes Wasser noch ein festes Dach und wo die Menschen kein Geld für die Ausbildung ihrer Kinder haben.

Li sucht sich solche Schulen bewusst aus. „Bevor meine Mutter gestorben ist, habe ich ihr versprochen, Kindern aus armen Verhältnissen das zu ermöglichen, was sie mir ermöglicht hat: zu lernen und sich die Voraussetzungen für ein besseres Leben zu erarbeiten“, hat er uns gesagt.

In den Ferien verdingt er sich als Wanderarbeiter. Mit dem Geld hilft er seinen Schülern, finanziert teilweise sogar ihre Uni-Ausbildung mit. Er nimmt in Kauf, dass für seine eigene Familie kaum mehr was übrig bleibt, dass er sich verschulden muss, um die eigenen Ausgaben zu decken.

Er hat sich unter anderem Geld geliehen, um seine Hochzeit zu bezahlen und um Medikamente für seinen kranken Vater zu kaufen. Schulden von umgerechnet 6 000 Euro haben sich inzwischen angehäuft, das Vierhundertfache seines Monatsgehalts.

Der Handelsblatt-Bericht über Lehrer Lis einsamen Kampf um bessere Bildungschancen für die Kinder von Donggan rief große Hilfsbereitschaft hervor. Viele Leser wollten helfen und spendeten Geld. „Es ist ungewöhnlich, dass ein Bericht solche Reaktionen auslöst“, sagt Bernd Ziesemer, Chefredakteur des Handelsblatts. „Wir freuen uns, dass wir Lehrer Li helfen können.“

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