Asien entwickelt neues Selbstvertrauen
Drache, Tiger und Co. sind aus dem Tiefschlaf erwacht

"ABC“, so buchstabiert die Investmentbank Goldman Sachs den Aufschwung in Asien: „Asia becoming confident“. Asien strotzt wieder vor Selbstvertrauen. In Japan gehen die „zehn verlorenen Jahre“ zu Ende, China kann seine Konjunktur kaum bändigen, Indien meldet sich vernehmlich zu Wort, die Tiger wetzen ihre Krallen.

DÜSSELDORF. „Die schweren Jahre liegen hinter uns“, bilanziert der Chef des Economic Development Board von Singapur, Teo Ming Kian, zufrieden.

Angetrieben durch den unersättlichen Importhunger im Reich der Mitte kommt die japanische Wirtschaft jetzt richtig in Schwung. Der letzte Geschäftsklimaindex Tankan wies einen geradezu sprunghaften Anstieg des Optimismus unter den Top-Unternehmen aus. Mazda Mo-tor Corp., Matsushita Electric Industrial Co. and andere Konzerne mel-den steigende Absatzzahlen in den USA und China. Nippons Flachbildschirme, Autos und Investitionsgüter sind wieder gefragt. Auch die japanischen Konsumenten haben ihre Kauflaune wieder entdeckt. Einen „robusten Aufschwung“ prognostiziert die zurückhaltende Bank of Japan.

Mit Japans Aufstieg aus dem Tal der Tränen findet Asien zu jener Stärke zurück, mit der die Region schon mehrfach hohe Erwartungen geweckt hatte. Ein „pazifisches Jahrhundert“ war Drache, Tiger und Co. prognostiziert worden – bis die Blase in Japan platze. 1997/98 wurden auch die asiatischen Schwellenländer Thailand, Taiwan, Korea und Indonesien kalt erwischt, die Unternehmens- und Finanzkrise spülte alle Träume fort. Doch nach Jahren harter Umstrukturierungen, die in Südostasien zwar noch nicht abgeschlossen sind, nun aber vor allem in Japan Früchte tragen, meldet sich Asien zurück. 6,8 Prozent Wachstum veranschlagt die Asiatische Entwicklungsbank (ADB) für dieses Jahr. China, Thailand, Indien und Japan lassen selbst die Konjunktur-Lokomotive USA weit hinter sich.

Grund genug, sich mit einer Nebenrolle nicht mehr zu begnügen. Der thailändische Wirtschaftsexperte Kanit Sangsubhan, Direktor des Fiscal Policy Research Institute in Bangkok, stellt gleich die ganze globale Hackordnung in Frage. „Die Ära der alten Lokomotiven ist vor-bei", erklärte er auf einem Seminar. Die Zukunft gehöre nicht mehr den großen Drei – USA, Europa und Ja-pan – sondern den ostasiatischen Tigern. Immer häufiger ertönen auch Forderungen, China in den Kreis der G8-Staaten aufzunehmen. Selbst die in Basel ansässige Vereinigung der Notenbanker BIZ zeigt sich beeindruckt. Sie stellte China jüngst als Wachstumsmotor gleichrangig neben die USA. „Das rapide Wachstum in China ist die treibende Kraft für den regionalen Handel“, beobachtet Ifzal Ali, Chefökonom der ADB.

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