Asien-Handel
China läuft USA den Rang ab

In Asien wächst die Kritik am Stillstand der US-Handelspolitik. Wenn der amerikanische Präsident Barack Obama am Wochenende im Rahmen seiner Asienreise auf dem Gipfel der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (Apec) in Singapur Station macht, wird er dies deutlich zu spüren bekommen.
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NEU-DEHLI. Viele Regierungen asiatischer Länder vermissen eine Führungsrolle Washingtons bei der weiteren Liberalisierung des Handels im Pazifikraum. Sie fürchten, dass sich die USA einseitig dem als übermächtig empfundenen China zuwenden könnten, und kritisieren einen zunehmenden Trend zum Protektionismus.

Einen Vorgeschmack auf die verbreitete Unzufriedenheit gab vergangene Woche ausgerechnet der politische Nestor des Apec-Gastgebers Singapur, der ehemalige Premierminister Lee Kuan Yew. Das Vakuum in der amerikanischen Asienpolitik gewähre China in der Region freien Lauf, monierte Lee in Washington nach einem Treffen mit dem US-Präsidenten. So sammelte Chinas Präsident Hu Jintao diese Woche bei seinem Besuch in Malaysia Milliardenaufträge ein, unter anderem zum Bau einer 250 Kilometer langen Eisenbahnlinie und eines Staudamms.

Amerikanische Wirtschaftsvertreter teilen die Kritik an der Untätigkeit ihrer Regierung. Sie fürchten angesichts einer wachsenden Zahl bilateraler Freihandelsverträge innerhalb Asiens Nachteile für US-Unternehmen. „Wir stehen abseits, während Asiens Volkswirtschaften neue Abkommen aushandeln“, sagte der Präsident der US-Handelskammer, Thomas Donohue, in Singapur. In der Tat haben Asiens aufstrebende Wirtschaftsnationen in jüngster Zeit etliche Freihandelspakte geschlossen. Jüngstes Beispiel ist der Vertrag zwischen dem südostasiatische Staatenbund Asean und Indien.

Die USA treten dagegen erfolglos auf der Stelle. Oft ist dies allerdings weniger der Regierung in Washington geschuldet als dem unwilligen Kongress. Er blockiert zum Beispiel ein seit zwei Jahren mit Südkorea ausgehandeltes Handelsabkommen, weil darin aus Sicht der Abgeordneten die US-Autoindustrie zu schlecht wegkommt. Präsident Obama hat es bisher nicht gewagt, seinen demokratischen Parteikollegen die Stirn zu bieten.

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