Asien in Alarmstimmung
Immer Ärger mit Kim

Nordkoreas Atomtest hat in Asien nicht nur die Seismographen heftig ausschlagen lassen. Die Zündung wird in der Region für erhebliche politische Erschütterungen sorgen. Experten fürchten ein nukleares Wettrüsten in Ostasien, vor allem Japan dürfte dabei eine zentrale Rolle spielen.

TOKIO/PEKING. Auch China und Indien könnten ihre Atomwaffentests wieder aufnehmen. Dabei sind sich die Nachbarn in einem Punkt einig: Eine Atommacht Nordkorea will in Nordasien niemand. Das bedeutet aber nicht, dass sich die unterschiedlichen Strategien Chinas, Südkoreas und Japans im Umgang mit Kim Jong-Il vereinen. Während Japan im Einklang mit den USA auf Druck setzt und mit Strafmaßnahmen droht, wollen China und Südkorea einen Kollaps des kommunistischen Staates auf jeden Fall verhindern.

Vor allem der große Bruder China gerät durch Nordkoreas Testerei in die diplomatische Zwickmühle. Für Peking sei der Atomwaffentest „ein schwerer Schlag ins Gesicht“, sagt ein politischer Beobachter in der chinesischen Hauptstadt.

Dabei ist Chinas politischer Einfluss auf Diktator Kim Jong-Il offenbar geringer, als im Westen oft angenommen wird. „Der Draht zwischen Peking und Pjöngjang ist nicht mehr so eng wie er einmal war“, so das Fazit des westlichen Diplomaten. Erstmals wird in China offen diskutiert, ob das Reich der Mitte Sanktionen gegen Nordkorea zustimmen solle. „Der Test belegt das Scheitern der Nordkorea-Politik Chinas“, sagt Zhu Feng, Professor für internationale Beziehungen an der Peking University. Auch Zhang Liangui, Experte der zentralen Parteischule in Peking, meint, China müsse seine Politik zu Nordkorea überdenken und neu ausrichten. Allerdings wird erwartet, dass Peking nur sanften Sanktionen gegen Nordkorea zustimmen wird. Damit könne China immerhin zeigen, „dass unser Land eine verantwortliche Weltmacht ist“, sagt Shen Dingli, Sicherheitsexperte vom Institut für internationale Studien an der Universität Fudan in Schanghai. Harte Wirtschaftssanktionen lehnt er strikt ab.

In Japan dagegen sieht man sich im Gefühl der Bedrohung bestärkt. Lange schon fordern japanische Politiker mit Blick auf Nordkorea eine stärkere Aufrüstung. So fiel die Entscheidung für das Raketenabwehrsystem mit den USA nach den Raketentests Nordkoreas Ende der 90er- Jahre. Auch die Diskussion darüber, ob Japan nicht selbst Atomwaffen haben soll, erhält neue Nahrung. Bislang verbietet die Verfassung jedoch einen solchen Schritt. Japan dürfte weitere Sanktionen beschließen, allerdings ist die Wirkung solcher Maßnahmen begrenzt. In den vergangenen Jahren haben die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Tokio und Pjöngjang rapide abgenommen.

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