Asien
Profiliert sich China bald als Stabilitätsanker?

Thailands Vizepremier Olarn Chaipravat sieht Asien auf dem Weg zu einem Stützpfeiler des Weltfinanzsystems. China sei bereit, in Währungs- und Finanzfragen erstmals eine regionale und globale Führungsrolle zu ergreifen.

BANGKOK. Thailands Vizepremier erwartet im Zuge der Finanzkrise massive Veränderungen in Asiens Währungs-Regime und eine Aufwertung der Region im Weltfinanzsystem. Als zentralen Faktor sieht Olarn Chaipravat dabei ein China, das die Schwäche der G8-Staaten nutzt, um sich als globaler Stabilitätsanker zu profilieren.

"Asien ist auf dem Weg zum neuen Stützpfeiler des Weltfinanzsystems", sagte der für Wirtschaftsfragen zuständige Vizeregierungschef dem Handelsblatt. Es gebe Anzeichen, dass China bereit sei, in Währungs- und Finanzfragen erstmals eine regionale und globale Führungsrolle zu ergreifen. Bislang steht dem neben Pekings politischer Zurückhaltung ein nicht voll konvertierbarer Renminbi entgegen. "Aber eine Lockerung von Chinas Währungsregime ist nur eine Frage von Monaten", schätzt Olarn.

Gefährliche Währungsschwankungen erschüttern Asien seit Wochen und lassen den Ruf nach einer stabileren Finanzarchitektur lauter werden. Südkoreas Won und Indiens Rupie haben schon ein Viertel ihres Werts verloren. Der Kontinent hat nach der selbst verschuldeten Krise 1997 zwar seine Hausaufgaben gemacht; er verfügt als letzte wichtige Region der Weltwirtschaft über solide Banken und passable Wachstumsaussichten. Dennoch gerät Asien rasant mit in den globalen Abschwung: Seine Exporte brechen weg, Kreditmärkte frieren aus akutem Liquiditätsmangel ein, und ein Massen-Exodus westlicher Anleger aus Börsen und Währungen wird zur Bürde für Volkswirtschaften.

So drängt Thailands oberster Wirtschaftspolitiker Peking zur schnellen Konvertierbarkeit des Yuan. Dies schaffte eine neue Reservewährung, und diese wäre für Chinas asiatische Nachbarn besonders interessant. Denn für viele hat die Volksrepublik die USA als wichtigsten Handelspartner abgelöst.

Noch ist der Yen Asiens einzige Reservewährung. In ihn flüchten jetzt laut Olarn viele Staaten mit einem Teil ihrer riesigen Devisen-Schätze: "Die meisten Nationen Asiens fahren den Anteil westlicher Währungen an ihren Reserven zurück, hauptsächlich zu Gunsten des Yen." Für den früheren Spitzenbanker erklärt nur dies den dramatischen Anstieg des Yen.

Der Kollateralschaden durch die Finanzkrise werde in der Region als ungerecht empfunden, sagt Olarn. Umso mehr sei es gerechtfertigt, dass Asien jetzt Anspruch auf mehr Mitsprache im Weltfinanzsystem erhebe.

Die beste Absicherung gegen künftige Krisen wäre nach Ansicht des Politikers eine gemeinsame Währung, wie es sie in Europa schon gibt. "Die Krise wird eine asiatische Währungsunion beschleunigen", schätzt Olarn. Diese nach der Asienkrise geborene Idee konkretisiert sich wegen politischer Differenzen seit Jahren nicht. Aber der Politiker glaubt fest an eine Umsetzung bis 2020.

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