Asien
Taiwan sieht sich zunehmend isoliert

Der Aufschwung von China zur Wirtschaftsmacht bringt nicht nur Vorteile mit sich: Die Volkrepublik nutzt jetzt ihren wirtschaftlichen Einfluss und drängt Regierungen in aller Welt, ihre diplomatischen Beziehungen zu Taiwan abzubrechen. Die Regierung der Insel verzweifelt darüber allmählich.

TAIPEH. Taiwan fürchtet die Isolation auf der politischen Weltbühne, weil immer mehr Länder sich dem Druck der Wirtschaftsmacht China beugen und ihre offiziellen Kontakte zu der Insel abbrechen. Zuletzt hatte Anfang Juni Costa Rica – einer der ältesten Verbündeten Taiwans – die diplomatische Partnerschaft aufgekündigt und sich für eine Normalisierung der Beziehungen zu Peking ausgesprochen.

„China war noch nie so mächtig wie heute“, sagte Taiwans Außenminister James Huang dem Handelsblatt. Er fürchtet, dass weitere Staaten dem Beispiel Costa Ricas folgen könnten. China lehnt grundsätzlich Beziehungen zu Staaten ab, die Taiwan anerkennen. Die neue Stärke der Volksrepublik gehe eindeutig zu Lasten Taiwans, so Huang: „Wir sind Opfer von Chinas Aufstieg.“

Enttäuscht äußerte sich der Minister über die Politik der Europäischen Union. Die EU erkennt seit Jahren Pekings Ein-China-Politik an, nach der Taiwan eine Provinz der Volksrepublik ist. Kein EU-Staat unterhält noch diplomatische Beziehungen zu Taiwan, auch Deutschland nicht. „Wenn Freiheit, Demokratie und Menschenrechte nichts für die EU bedeuten, dann ist das in Ordnung und ich akzeptiere das“, sagte Huang.

Taiwan hat heute nur zu 24 Staaten diplomatische Beziehungen, vor einigen Jahren waren es noch mehr als 30; Partnerländer sind vor allem kleine und arme Staaten aus Mittelamerika, dem Südpazifik und Afrika sowie der Vatikan.

Gerade der Vatikan gilt in Taipeh als neuer Wackelkandidat. Denn in die seit 1951 unterbrochenen Beziehungen zwischen Rom und Peking ist in den vergangenen Monaten diplomatische Bewegung gekommen. Ein Bruch des Vatikans mit Taiwan wäre „ein sehr starkes Signal und ein symbolischer Akt für die gesamte katholische Welt“, sorgt sich der Außenminister. Länder wie Nicaragua haben bereits offen über eine Annäherung an China nachgedacht.

In Taipeh macht sich deshalb Frustration breit: Nach dem Rückschlag mit Costa Rica bot Taiwans Außenminister seinen Rücktritt an. Dieser Schritt war aber von Präsident Chen Shui-bian abgelehnt worden. Taiwan fühlt sich vor allem dann machtlos, wenn Geld eine Rolle spielt. Darum hat auch Costa Rica nach 60 Jahren seine Beziehungen zu der Insel aufgegeben: „Taiwan hätte großzügiger sein sollen“, sagte Präsident Oscar Arias unverblümt. Statt der 70 Mill. Dollar Finanzhilfe, die Taiwan überwies, kann das mittelamerikanische Land laut Medienberichten nun auf mehr als 400 Mill. Dollar aus Peking zählen. „Bei dieser Dollar-Diplomatie können wir nicht mehr mithalten“, sagte Außenminister Huang.

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