Asiens stärkster Tigerstaat wählt: Südkorea ersetzt Kraft durch Kreativität

Asiens stärkster Tigerstaat wählt
Südkorea ersetzt Kraft durch Kreativität

Die Clans der Großindustrie haben Südkorea reich gemacht. Doch vor der Präsidentschaftswahl an diesem Mittwoch setzt sich die Erkenntnis durch, dass ihre Zeit vorbei ist. Schlau statt stark lautet das neue Rezept.
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SeoulWer Südkoreas Zukunft sehen will, muss Männer wie Choi Jin-Hwan besuchen. Der drahtige Firmengründer und Software-Professor empfängt Besucher nicht im Anzug. Es gibt keine Konferenzräume mit schweren Ledersesseln und Kalligraphien an den Wänden wie in altgedienten Großkonzernen, keine rauchenden Schlote vor dem Fenster. In seiner Firma FunctionBay herrscht globale Start-up-Atmosphäre. Hier wird Simulationssoftware für den Test komplexer Bauteile hergestellt - und hier lässt sich das südkoreanische Erfolgsmodell studieren.

Ruheräume laden die Belegschaft zu schöpferischen Pausen ein. In der Lobby hat Choi eine Traumwand eingerichtet: ein hölzerner Baum, an den jeder Mitarbeiter seinen ganz persönlichen Traum anpinnen muss.

„Ich will ihnen helfen, sich zu entfalten“, erklärt Choi seine Philosophie. „Sie sollen jeden morgen in die Firma kommen, ihren Traum sehen und ihn verfolgen.“

Das ist es, was Südkorea 2.0 ausmacht. Überall im Land ist der neue Geist zu spüren. Statt die Weltmärkte nur mit Fleiß und Billigprodukten zu erobern, will Korea nun zum kreativen Zentrum der globalen Wissensgesellschaft werden. Es gibt einen Minister für Wissenwirtschaft, der unter anderem für die Regulierung der Industrie und des Energiesektors zuständig ist.

Kunstgalerien schießen überall aus dem Boden. In der Hauptstadt grüßen Plakate mit dem Schriftzug „Hi Seoul, Soul of Asia“ die Touristen. Und der Musikhit „Gangnam Style“ des Sängers Psy, der mit fast einer Milliarde Abrufen populärste Clip bei der Videoplattform YouTube, machte das Land zur kreativen Großmacht in der internationalen Jugendkultur.

Auch in der Präsidentschaftswahl, die an diesem Mittwoch stattfindet, weht plötzlich der neue Geist: Sowohl die Kandidatin der Konservativen, Park Gyun-Hye, als auch Moon Jae-In, ihr Rivale der linken Vereinten Demokratischen Partei, haben sich „wirtschaftliche Demokratisierung“ auf die Fahnen geschrieben.

Unter diesem Slogan versprechen sie viel: Sie wollen die Macht der riesigen der riesigen, familieneigenen Konglomerate beschneiden, mit denen Südkorea in nur einer Generation den Sprung vom bitterarmen Bauernstaat zu einer der führenden Industrienationen geschafft hat. Im Gegenzug soll der Mittelstand geschützt und ausgebaut werden.

Denn zu hoch erscheint den Menschen die Konzentration wirtschaftlicher Macht durch wenige Mischkonzerne, die Koreaner Chaebol nennen. Die zehn größten Chaebol kontrollieren selbst heute noch 40 Prozent des südkoreanischen Bruttoinlandsprodukts.

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  • Der Artikel liest sich so, als wenn die Koreaner auf dem Weg sind den gleichen Fehler zu machen wie die Amis.

    Ausserdem -@JohannesKirk- Samsung ist keine Copy Cat, sondern eine Technologie-Schmiede.

  • Weil Produktdesign auf jeden Fall der wichtigste Faktor ist..

  • das heißt "Gangnam Style" und nicht "Rangnam Style"!

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