Asyllüge
Islamkritikerin Ayaan Hirsi Ali will Niederlande verlassen

Die sonst so streitlustige Islam-Kritikerin und niederländische Parlamentsabgeordnete Ayaan Hirsi Ali gibt auf. Offenbar zermürbt vom Mangel an politischer Unterstützung und von einer neuen Debatte über ihre eigene Person will die aus Somalia stammende Politikerin Den Haag verlassen.

HB DEN HAAG. Die umstrittene niederländische Abgeordnete Ayaan Hirsi Ali verlässt das Parlament in Den Haag und zieht in die USA. Einen entsprechenden Internet-Bericht der Zeitung „de Volkskrant“ vom Montag haben Eingeweihte nach Angaben der niederländischen Nachrichtenagentur ANP bestätigt. Hirsi Ali werde ihre Entscheidung an diesem Dienstag bekannt machen.

Sie versucht ihr Glück künftig an dem konservativen American Enterprise Institute in Washington, das wohl auch Präsident George W. Bush ideologischen Rückhalt gibt, heißt es. Schon vor einigen Wochen hatte Hirsi Ali gesagt: „Manchmal macht mich das alles wirklich müde.“

Damals hatte sie gerade ein Gerichtsurteil hinnehmen müssen, das sie dazu zwingt, ihre Wohnung in Den Haag zu verlassen. Nachbarn hatten sich daran gestört, dass für die Sicherheit der umstrittenen Abgeordneten so viel Aufwand getrieben wird. Sie fühlten sich belästigt, selbst in Gefahr - und bekamen Recht. Die Regierung hatte Hirsi Ali die relativ gut zu bewachende Wohnung besorgt, weil sie kaum eine andere Möglichkeit sah, ihr Leben zu schützen. Denn radikale Muslime haben Hirsi Ali wiederholt mit dem Tode bedroht. Sie hat mit dem von einem Muslim-Extremisten ermordeten Regisseur Theo van Gogh einen Film über die Unterdrückung der Frau durch den Islam gemacht. Hirsi Ali nennt den Propheten Mohammed einen „perversen Mann“, weil er eine Neunjährige geheiratet habe.

Für ihre Unerschrockenheit wurde Hirsi Ali mehrfach ausgezeichnet. Auf der politischen Bühne in Den Haag, die sie selbst gesucht hat, ist sie jedoch fast isoliert. Selbst in ihrer eigenen Partei, der rechtsliberalen VVD, wurde sie wegen ihrer kaum auf Dialog zielenden Äußerungen regelmäßig zur Ordnung gerufen. Sie selbst sagte einmal: „Ich mache mehr kaputt als wieder gut. Bei den Bürgern kommt meine Botschaft verfälscht an.“ Doch in den vergangenen Tagen galt die Aufmerksamkeit der Medien nicht Hirsi Alis Islam-Kritik, sondern ihrer Person selbst.

Durch eine TV-Dokumentation wurde erstmals landesweit bekannt, dass sie gelogen hatte, um vor 14 Jahren in den Niederlanden politisches Asyl zu erlangen. Sie war nicht aus dem Bürgerkrieg in Somalia geflohen, sondern hatte längst sicher in Kenia gelebt. Nicht Hirsi Ali ist ihr richtiger Name gewesen, sondern Hirsi Magan.

Das alles wird von ihr nicht bestritten und ist auch nicht völlig neu. So hat sie unter anderem die Parteiführung der VVD eingeweiht, die sie 2002 mit einem Sitz im Parlament von der sozialdemokratischen Arbeitspartei weglockte. Ausländerministerin Rita Verdonk („ich hätte sie ausgewiesen“) hatte zunächst gesagt, Hirsi Ali habe heute nichts mehr zu befürchten. Doch jetzt ordnete sie eine Überprüfung des Falles ein.

Erst kürzlich musste auf Anordnung Verdonks eine 19-Jährige aus dem Kosovo kurz vor dem Abitur die Niederlande verlassen, weil sie gegenüber der Einwanderungsbehörde gelogen hatte. Verdonk will Spitzenkandidatin der VVD bei der Wahl im nächsten Jahr werden und offenbar nicht in einen Sog von Unglaubwürdigkeit geraten. Denn nichts steht bei der „Eisernen Rita“ so hoch wie der Spruch: „Regeln sind Regeln.“

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