Athen attackiert Bundesfinanzminister: Schäuble „mit seinem Plan, Griechenland zu ersticken, gescheitert“

Athen attackiert Bundesfinanzminister
Schäuble „mit seinem Plan, Griechenland zu ersticken, gescheitert“

Der griechische Staatsminister Nikos Pappas hat Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble scharf attackiert. Sein Stil sei „unvereinbar mit einem vereinten und demokratischen Europa“, ätzt der griechische Politiker.

AthenScharfe persönliche Attacke auf Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble aus Athen: Staatsminister Nikos Pappas warf Schäuble in einer am Dienstagabend herausgegeben Erklärung vor, sein Stil sei „unvereinbar mit einem vereinten und demokratischen Europa“.

Schäuble sei „mit seinem Plan, Griechenland zu ersticken, gescheitert“ und deshalb „in einer schwierigen Lage“, erklärte der griechische Politiker. Besonderes Gewicht bekommen die Angriffe dadurch, dass Pappas seit vielen Jahren der engste Mitarbeiter von Ministerpräsident Alexis Tsipras ist. Seine Stellung als Staatsminister im Amt des Ministerpräsidenten entspricht dem eines deutschen Kanzleramtsministers.

Pappas reagierte mit seiner Erklärung auf Äußerungen Schäubles nach dem EU-Finanzministertreffen am Dienstag. Griechische Medien zitierten Schäuble mit der Aussage, in der Eurogruppe habe man am Vorabend nur kurz über Griechenland gesprochen. Dabei seien alle zu der Feststellung gekommen, dass es bisher keine Ergebnisse gebe.

Der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis stehe mit seiner Ansicht allein, Griechenland habe bisher keine Zeit verloren, soll Schäuble gesagt haben. Ähnlich hatte sich auch Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem geäußert, der davon sprach, man habe in der Diskussion um Griechenland „mehr als zwei Wochen verloren, in denen sehr wenig Fortschritte gemacht worden sind“.

Schäuble unterstrich nach dem Ministertreffen, Griechenland könne nur dann weitere Finanzhilfen erhalten, wenn die Regierung in Athen die mit den Gläubigern getroffenen Vereinbarungen vollständig umsetzte. „Bevor das nicht stattfindet, passiert gar nichts“, sagte der Bundesfinanzminister.

Der griechische Staatsminister Pappas erklärte dazu, Schäuble sei „die treibende Kraft der in Griechenland und Europa gescheiterten (Spar-) Politik. Er sei nun in einer schwierigen Lage, weil sein Plan, Griechenland zu ersticken, gescheitert sei – offenbar durch den Wahlsieg des Linksbündnisses Syriza, wie Pappas wohl andeuten wollte. Schäubles Äußerungen vom Dienstag, so der Tsipras-Vertraute Pappas, seien „unvereinbar sowohl mit der institutionellen Position, die Herr Schäuble innehat, wie auch mit den Bemühungen in Europa um eine neue Lösung.“

Angesichts leerer Staatskassen liegen offenbar in Athen nun die Nerven blank, nachdem sich auch beim Treffen der Eurogruppe am Montag die Hoffnung, die Euro-Partner würden weitere Gelder lockermachen, nicht erfüllte. Griechenland könnte schon in wenigen Wochen das Geld ausgehen.

Der griechische Staatsminister Alekos Flambouranis richtete am Dienstag einen Appell an seine Landsleute, Gelder, die während der Krise ins Ausland geschafft wurden, zurückzubringen. „Wir sind in einem Kampf um unsere Existenz und brauchen jeden Euro“, sagte Flambouranis in einem Rundfunkinterview. Während der vergangenen vier Monate sind von den griechischen Banken nach inoffiziellen Informationen Einlagen von fast 30 Milliarden Euro abgeflossen.

Bundesfinanzminister Schäuble sagte am Dienstag, man habe keine Klarheit über die Finanzlage des von der Pleite bedrohten Landes: „Wie es genau aussieht, wissen wir nicht.“ Schäuble steht schon länger im Fadenkreuz der Regierungspartei Syriza.

Vergangenen Monat veröffentlichte die Syriza-Parteizeitung „Avgi“ eine Karikatur, die Schäuble als KZ-Kommandanten zeigt. Ihm werden die an die Griechen gerichteten Worte in den Mund gelegt: „Wir machen Seife aus Eurem Fett“.

Gerd Höhler
Gerd Höhler
Handelsblatt / Korrespondent Südosteuropa
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