Athen unter Druck
Merkel wettert gegen Vorteile für griechische Rentner

Merkel verschärft in der Griechenland-Debatte den Ton. Angesichts der Milliardenhilfen kritisiert die Bundeskanzlerin das frühe Renteneinstiegsalter in dem Mittelmeerstaat - und löst damit großen Unmut aus.
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Meschede/Berlin/AthenEs gehe nicht nur darum, keine Schulden zu machen, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bei einer Parteiveranstaltung in Meschede in Nordrhein-Westfalen. "Es geht auch darum, dass man in Ländern wie Griechenland, Spanien, Portugal nicht früher in Rente gehen kann als in Deutschland, sondern dass alle sich auch ein wenig gleich anstrengen - das ist wichtig."

Nach heftigem Streit wird in Deutschland derzeit das Renteneinstiegsalter schrittweise von 65 auf 67 Jahre heraufgesetzt.

Merkel fügte weiter hinzu: "Wir können nicht eine Währung haben und der eine kriegt ganz viel Urlaub und der andere ganz wenig. Das geht auf Dauer auch nicht zusammen." Gesetzlich festgelegt sind in Deutschland mindestens 20 Tage Urlaub.

Die Opposition äußerte scharfe Kritik an den Äußerungen Merkels. "Wenn man über soziale und ökonomische Konvergenz redet, dann sollte man alle plakativen Sprüche und Vorurteile an der Garderobe abgeben", sagte der Chef der Grünen-Fraktion im Europa-Parlament, Daniel Cohn-Bendit, "Spiegel Online". Es sei absurd, wenn Merkel erkläre, wer deutsche Hilfe in Anspruch nehmen wolle, müsse sich im Gegenzug "anstrengen". "Natürlich arbeiten die Menschen in Südeuropa viel", sagte Cohn-Bendit. Anstatt "auf billigen Beifall zu setzen", solle die Kanzlerin lieber konkrete Vorschläge machen.

Auch der deutsche Grünen-Chef Cem Özdemir kritisierte Merkel scharf für ihre Äußerungen. "Kanzlerin Merkels Europapolitik besteht noch immer vor allem aus Marktplatzsprüchen bei Parteiveranstaltungen", sagte er. "Ihr willkürliches Herauspicken einzelner Punkte hilft weder Ländern wie Griechenland, Portugal oder Spanien noch spiegelt sie die Wirklichkeit wieder." Özdemir sagte weiter: "Wenn die Kanzlerin sich in dieser Form direkt in die Innenpolitik dieser Länder einmischt, dann schlage ich ihr vor, dies doch bei einem Staatsbesuch direkt vor Ort zu diskutieren."

Özdemir kritisierte: "Statt solcher neunmalklugen Ratschläge an unsere europäischen Partner sollte sich die Kanzlerin lieber endlich für eine vernünftige und funktionsfähige Koordinierung der Wirtschafts- und Finanzpolitik innerhalb der EU einsetzen." Sein Parteifreund Cohn-Bendit sagte: "Soziale Konvergenz in Europa ist ok - aber dann müssen wir über Arbeitszeiten genauso reden wie über Rente, Urlaub und Mindestlohn."

"Merkels Vorstoß provoziert antideutsche Stimmungsmache in Europa und antieuropäische Ressentiments in Deutschland", sagte auch Linksparteichef Klaus Ernst. "Wenn die Menschen Europa mit Schrumpflöhnen, Schrumpfrenten und längeren Arbeitszeiten identifizieren, dann hat die europäische Idee keine Zukunft." So gewöhne man den Menschen Europa ab. "Das ist Politik unterhalb des Stammtischniveaus", empörte sich der Linksparteichef. "In Europa leben Europäer und keine Euros."

Ernst forderte die Kanzlerin auf, in der kommenden Woche im Bundestag Stellung dazu nehmen, ob sie Europa weiter über die Stammtische regieren, oder ob sie selbst Verantwortung für ein Europa übernehmen wolle, in dem die Lebensqualität auf breiter Front steigt und nicht sinkt. "In Griechenland und Portugal müssen die Banken und die Millionäre zur Kasse gebeten werden, und nicht die kleinen Leute", sagte Ernst.

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  • German citizens call for a new class action law suit under RICO against the current US government under Obama, the US Federal Reserve, the US Treasury Department, the 3 major rating agencies (S&P, Moodys, Fitch) and these american banks: BoA, JPMC, Citi, Morgan Stanley


    Focus on
    - criminal collusion
    - deceipt of the general public and allied countries
    - ongoing manipulation in the bond markets, precious metal markets & currencies
    - theft and financial crimes against mankind
    - market manipulation & surpression of oil producing countries world wide
    - manipulation in the futures markets in the US & UK


    https://secure.wikimedia.org/wikipedia/de/wiki/Racketeer_Influenced_and_Corrupt_Organizations_Act

    https://secure.wikimedia.org/wikipedia/de/wiki/Sammelklage

  • Merkel hat leider Recht! Viele "Gutmenschen" ignorieren die Fakten, dass sich bei den Definzitsündern eine "Überversorgung" etabliert hat. Dieses gilt für Arbeitslöhne, Altersversorgung und Privilegien von Arbeitnehmern, von denen wir hier nur träumen können.
    Stickworte: Rentenniveau (90 Prozent der letzten Arbeitsjahre,Rentenansprüche für unverheiratete Töchter, bis zu 15 !! Monatsgehältern jährlich, faktisch keine Steuereintreibung, nicht funktionierende Verwaltung-Rentenweiterzahlung für Tote, die fünffache Anzahl von Staatsangestellten pp.) Derartige "Privilegien" sind hier undenkbar und gehören korrigiert!

  • Das Rentensystem der westlichen Welt wird so oder so in diesem Jahrzehnt einbrechen. Beinahe überall in Europa, aber auch in den USA, wahrscheinlich auch in Kanada, vielleicht sogar in der Schweiz. Es geht mit Griechenland los, aber es dauert nicht länger als ein Jahrzehnt bis es Deutschland erwischt. Egal was und wie man sich erarbeitet hat. Die Chinesen , die Inder, die Koreaner und die anderen Kontinentalasiaten sind nun mal bereit mehr für weniger zu leisten. Irgendeine Hartz 13 Krümmel werden die Bedürftigen vielleicht noch bekommen. LG aus Athen.

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