Atom-Gespräche mit Iran
Russland sieht „reale Chance“ für Einigung

In den Atomgesprächen mit dem Iran scheint ein Deal unmittelbar bevorzustehen. Die Außenminister der fünf Veto-Mächte im Sicherheitsrat und Deutschlands sind unterwegs nach Genf. China sprach vom „finalen Moment“.
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WashingtonIn den Atomgesprächen mit dem Iran gibt es nach Einschätzung des amtierenden Bundesaußenministers Guido Westerwelle (FDP) eine Chance auf eine Einigung. Allerdings gebe es weiter Differenzen, die nun überbrückt werden müssten, sagte Westerwelle am Samstag nach seiner Ankunft in Genf. „Es ist eine realistische Chance dafür da, aber es ist noch eine Menge Arbeit zu tun“, sagte Westerwelle.

Auch der russische Außenminister Sergej Lawrow sieht bei den Verhandlungen um das umstrittene iranische Atomprogramm in Genf eine „reale Chance“ für eine Einigung. Das teilte das russische Außenministerium am Samstag nach Lawrows Treffen in Genf mit der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton und dem iranischen Außenminister Mohammed Dschawad Sarif mit. Bei den Gesprächen sei es besonders um konkrete Details gegangen, die bisher einen Durchbruch verhindert hätten.

Ziel sei es, diesmal zu einem Ergebnis zu kommen. „Es ist im allgemeinen Interesse, diese Chance zu ergreifen“, hieß es in der Mitteilung. Zuvor hatte sich auch Kremlchef Wladimir Putin nach einem Gespräch mit dem iranischen Präsidenten Hassan Ruhani optimistisch geäußert, dass es diesmal zu einer Lösung im Atomstreit kommen könne.

Nach Angaben der iranischen Delegation geht nur noch um wenige Streitfragen. Es gebe „zwei oder drei Streitpunkte“, sagte Irans Verhandlungsführer Abbas Aragschi am Samstag der Nachrichtenagentur Fars. Beide Seiten kämen einem Abkommen aber immer näher. „Wir sollten schauen, ob wir diese Differenzen ausräumen können“, sagte der Vizeaußenminister vor der Fortsetzung der Gespräche.

Am Samstagmorgen traf auch US-Außenminister John Kerry in Genf ein. Die Verhandlungen zwischen Teheran und den fünf Uno-Vetomächten USA, Russland, China, Großbritannien und Frankreich sowie Deutschland (5+1) gehen am Samstag in den vierten Tag. Bis kurz vor Ende des dritten Tages hatte es nach einem erneuten Scheitern ausgesehen. Mit dem Eintreffen Lawrows kam aber Bewegung in die Verhandlungen. Die iranische Delegation sprach erstmals von Fortschritten, die beide Seiten einem Durchbruch näher gebracht hätten.

Die Gespräche hätten ihren „finalen Moment“ erreicht, sagte auch der Sprecher des chinesischen Außenministeriums, Hong Lei, am frühen Samstagmorgen der Agentur Xinhua zufolge. Unmittelbar zuvor war bekannt gegeben worden, dass sich noch in der Nacht auch Chinas Außenminister Wang Li auf den Weg nach Genf gemacht hat.

Dies war zuvor schon von seinen Amtskollegen der anderen Uno-Vetomächte USA, Frankreich und Großbritannien sowie Deutschlands bekannt geworden. Unterhändler hatten von Fortschritten gesprochen und die Hoffnung geäußert, die strittige Frage der Uran-Anreicherung werde gelöst. Ein hochrangiger EU-Diplomat hatte gesagt, die Außenminister würden nur anreisen, wenn ein Abkommen unterschriftsreif sei.

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