Atom-Katastrophe in Japan
Kernschmelze bestätigt, Strahlungswerte extrem

Die Situation am Unglücksreaktor Fukushima ist, sofern möglich, ernster als bisher angenommen. Die Regierung bestätigte eine teilweise Kernschmelze, Betreiber Tepco zufolge kann die Krise noch Monate oder Jahre dauern.
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TokioAn der Atomruine in Fukushima ist erneut stark erhöhte Radioaktivität aufgetreten. Wie japanische Medien am Montagabend (Ortszeit) meldeten, wurden bei Reaktorblock zwei Strahlenwerte von mehr als 1000 Millisievert pro Stunde gemessen. Die Medien bezogen sich dabei auf Informationen der Betreiberfirma Tepco. Wie der Fernsehsender NHK meldete, wurde die extrem hohe Radioaktivität bereits am Sonntag festgestellt.

Am Montag hatten sich die Anzeichen für eine langwierige Atomkrise gemehrt. Nach zahlreichen Rückschlagen, die Reaktoren am Unglücks-AKW Fukushima unter Kontrolle zu bringen, räumte der Betreiber Tepco die unsicheren Aussichten für seine Versuche ein, eine Kernschmelze zu verhindern. Leider gebe es keinen konkreten Zeitplan, um klar zu sagen, in wie vielen Monaten oder Jahren die Krise vorbei sei, sagte der Tepco-Vizepräsident Sakae Muto. An der Börse in Tokio brach die Tepco-Aktie am Montag um 14 Prozent ein.

Der Atom-Experte Najmedin Meshkati von der University of Southern California sagte, die Situation sei deutlich ernster, als angegeben. "Das ist deutlich mehr als das, was eine Nation alleine bewältigen kann." Meshkati forderte ein Eingreifen des UN-Sicherheitsrates.

Die Lage im havarierten Atomkraftwerk Fukushima bleibt extrem kritisch. Im Reaktor zwei hatte nach Angaben der Regierung irgendwann in den vergangenen zwei Wochen eine Kernschmelze eingesetzt. Man glaube aber, dass der gefährliche Prozess gestoppt sei, sagte Regierungssprecher Yukio Edano am Montag. Die hohe Radioaktivität, die im Wasser in dem dortigen Turbinengebäude entdeckt wurde, sei auf diese teilweise Kernschmerze zurückzuführen, ergänzte der Sprecher.

Der Betreiber des Unglückskraftwerks, Tepco, hat inzwischen seine Angaben zur Verseuchung des Wassers korrigiert. Das Unternehmen spricht jetzt noch von einer 100.000-fach höheren Radioaktivität als normal. Zuvor hatte der Energiekonzern erst gemeldet, die Strahlung sei zehn Millionen Mal höher als sonst - dann hatte Tepco diese Zahl zurückgezogen, ohne neue Werte zu nennen.

Auch jetzt gab es zunächst keine genauen Informationen zum Zeitpunkt der teilweisen Kernschmelze. Fachleute hatten schon seit Beginn des Unglücks vor gut zwei Wochen mehrfach vermutet, dass Reaktorkerne so stark überhitzt gewesen sein könnten, dass eine Schmelze begonnen haben könnte.

Regierungssprecher Edano übte jetzt scharfe Kritik am Umgang des Betreibers Tepco mit den Strahlungs-Messwerten. Das Vorgehen sei "inakzeptabel". Die japanische Atomaufsichtsbehörde wies das Unternehmen zudem an, Maßnahmen zu treffen, damit es nicht wieder zu solchen Irrtümern wie am Wochenende kommt.

Die Schlampereien bei Tepco verstärken die Angst der Menschen in der Unglücksregion. Viele beklagen, sie seien nicht gut genug informiert über die Verstrahlung und die möglichen Folgen für ihre Gesundheit.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hatte zuvor eine Ausweitung der Evakuierungszone rund um das Atomwrack gefordert. In dem Ort Iitate, rund 40 Kilometer nordwestlich des Kraftwerks, gäbe es eine so hohe Strahlenbelastung, dass eine Evakuierung notwendig sei, erläuterte Greenpeace.

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  • CrisisMaven Sehr gute ansage fundiert, fundiert, so ist es und wie weiter es muss doch möglich sein das sich die menschheit auf hohen lebensstandart konterminieren möchte solange alles nur bleibt wie es ist es gibt auch tiere die schöpferisch tätig sind aber nur eine spetie die das die klippe runtertreibt.ich mag nicht mehr über das technische zu reden. es ist ganz einfach so man hält hier nicht mal strahlung von kontermination auseinander und alles was der mensch nicht sieht da tropft auch nicht der zahn,bei stefe seines untergangs ist den das egal.der mensch ist böse.

  • ich hab

    angefangen mir gedanken zu machen und mal ein bischen loszurechnen.

    > http://commonman.de/wp/?page_id=3045

    ps. ich bin sehr dankbar für weitere sachdienliche hinweise

  • Diese japanische Atomkrise (um es mal schoenfaerberisch auszudruecken - Katastrophe ist angemessener!) wird nicht nur Jahre, sondern JAHRUNDERTE dauern! Immer, wenn Starkwind in Japan herrscht, werden die Messgeraete auch in Korea, China und den USA/Kanada u.a. ansprechen, bestimmte Landwirtschaftsprodukte in Japan kontrolliert und ggf. vom Markt genommen werden muessen, usw. - auf Jahrhunderte mindestens! Noch in Jahrtausenden wird die lokale Nuklidzusammensetzung stark von der natuerlich zu erwartenden abweichen und stets zu neuen Untersuchungen Anlass geben. Auf Radioaktivitaet zurueckzufuehrende Missbildungen zeigen sich z.T. erst nach bis zu zehn Generationen!
    Ich habe mal versucht, das gesamte Ausmass der Japan-Atomkatastrophe, Risiken und Gefahren der Atomkraft und was sie fuer Europa bedeuten hier uebersichtlich zusammenzufassen:
    http://www.dasgelbeforum.de.org/forum_entry.php?id=208864
    Dort auch Hinweise zum Umgang mit radioaktiv verseuchtem Wasser.

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