Atom-Katastrophe
Welche Lehren Japan aus Fukushima ziehen muss

Alles immer besser machen - dieses Prinzip werden die Japaner auf die Atomkraftwerke übertragen: Sie reagieren mit "Kaizen" auf die Katastrophe, nicht mit dem Ausstieg.

Seit dem Erdbeben vom 11. März haben Japan-Experten Hochkonjunktur. Was passiert mit dem Kernkraftwerk Fukushima, was passiert mit der Atomkraft, mit dem Land und seinen Menschen? "Es wird eine andere Welt werden", schreibt David van Hippel in der "Los Angeles Times", Energieexperte beim Nautilus-Institut für Sicherheit und Nachhaltigkeit. Da war der Wunsch wohl Vater des Gedankens.

Sollte Japan nicht doch noch den atomaren Super-GAU erleben, die Verseuchung Tokios, wird die Bevölkerung schneller zurückkehren zur Normalität, als viele Experten ihre Gedanken ordnen können. Vor allem Kernkraftgegner verwechseln in diesen Tagen Hoffnung mit Realität. Die Realität ist: Japan ist ein Land voller Menschen, die einen flächendeckenden Wohlstand gewöhnt sind, ein Leben in ständiger Betriebsamkeit, in einem oft starren, aber akzeptierten Korsett aus gesellschaftlichen Regeln und Abläufen, und das alles in hoher Geschwindigkeit. Für Innehalten oder gar Veränderung ist da einfach keine Zeit.

Das Leben ist in weiten Teilen des Landes einfach weitergegangen, und es muss auch weitergehen. In Osaka, 500 Kilometer von Tokio entfernt, herrscht schon länger "business as ususal". In Tokio arbeitet man daran. Japan ist auf Produktivität ausgerichtet, auf die Herstellung von Produkten, die entweder zu Hause, aber zurzeit noch viel mehr in fremden Ländern konsumiert werden. All das verlangt nach großen Energieressourcen. In Japan ist zudem der Sommer unerträglich heiß, die Häuser sind schlecht isoliert, der Winter ist unangenehm kalt. Im letzten Sommer starben einige Menschen, weil sie über Nacht die Klimaanlage abgeschaltet hatten. Japan ist eines der Länder mit dem höchsten Energieverbrauch weltweit.
Wie soll dieses Land, das 30 Prozent seines Stroms aus Atomkraft bezieht, ohne ebendiese Atomkraft auskommen?

Und selbst wenn es einen Weg gäbe: Die Japaner würden ihn nicht gehen wollen. Die Realität ist: Die Menschen werden durch den Ausfall der Atomkraftwerke in Fukushima in diesem Sommer und wohl auch in diesem Winter Stromabschaltungen aushalten müssen, sie werden Erfahrungen machen, was das heißt. Die Besitzer von kleineren Solaranlagen werden schmerzlich feststellen, dass diese Anlagen gerade einmal reichen, um ihren Kühlschrank zu versorgen. Japan wird seinen früher ungebremsten Stromfluss schnell vermissen und kollektiv leiden, aber nicht aufbegehren. "Shikataganai" ist ein geflügeltes Wort in Japan - "da kann man nichts machen".

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