Atom-Streit
Chamenei droht mit Ende der Zusammenarbeit

Der Iran möchte sich nicht noch mehr auf die Forderungen der Internationalen Atom-Energiebehörde einlassen - und hat dies mit Nachdruck klar gemacht.

HB TEHERAN/WIEN. Irans geistliches Oberhaupt Ajatollah Ali Chamenei hat der Uno-Atombehörde mit dem Ende der Zusammenarbeit gedroht, sollten weitergehende Auflagen im Atomstreit den Interessen des Landes zuwiderlaufen.

Westliche Diplomaten am Sitz der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) in Wien hielten einen solchen Schritt jedoch für wenig wahrscheinlich, da dieser die Isolierung des Landes durch die internationale Gemeinschaft zur Folge haben würde. Mitte Oktober hatte der Iran auf Vermittlung Deutschlands, Großbritanniens und Frankreichs zugesagt, die Uran-Anreicherung - ein Baustein bei der Entwicklung von Atomwaffen - vorerst zu stoppen. Der Iran hat wiederholt Vorwürfe der USA zurückgewiesen, nach Atomwaffen zu streben.

„Sollten wir einen Punkt erreichen, an dem Irans nationale Interessen und Werte bedroht sind, werden wir nicht zögern, unsere Kooperation zu beenden“, sagte Chamenei in einem am Montag ausgestrahlten Beitrag des staatlichen Fernsehens. Es waren Chameneis erste Äußerungen zum Atomstreit mit der IAEA. In der Islamischen Republik hat er das letzte Wort in allen staatlichen Angelegenheiten.

In Diplomatenkreisen in Wien hieß es, sollte der Iran die Zusammenarbeit mit der IAEA beenden, werde die Behörde nicht zögern, dies dem Uno-Sicherheitsrat zu melden, der dann Sanktionen gegen das Land verhängen könnte. „So dumm sind sie (der Iran) nicht“, hieß es. Trotz Versäumnissen des Iran in der Vergangenheit dürfte die IAEA den Diplomaten zufolge im November Abstand davon nehmen, dies dem Uno-Sicherheitsrat zu melden.

Der Iran hatte Deutschland, Frankreich und Großbritannien auch zugesagt, das Zusatzprotokoll des Atomwaffensperrvertrags zu unterzeichnen, das unangemeldete Kontrollen der Atomanlagen des Landes vorsieht. Dabei war indes kein Termin genannt worden. Chamenei verteidigte diese Entscheidung gegen Kritik einiger ultra-konservativer Vertreter des Landes, die von einer Niederlage gesprochen hatten. „Iran hat eine richtige und kluge Entscheidung getroffen. Von Kapitulation kann keine Rede sein“, sagte er.

„Wer jemals versucht, das friedliche Atomprogramm Irans in Frage zu stellen, wird eine Ohrfeige bekommen“, sagte Chamenei. Die friedliche Nutzung zur Energieerzeugung sei ein legitimes Recht des Landes. Der Iran hatte der IAEA am 23. Oktober einen Atomwaffenbericht vorgelegt, den die Behörde derzeit noch prüft. Die IAEA hatte dem Golfstaat bis zum 31. Oktober Zeit gegeben, die friedliche Nutzung des Atomprogramms zu beweisen.

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