Atom-Streit

Netanjahu setzt Obama wegen Iran unter Druck

Wann wird Iran genug Uran angereichert haben, um eine Atombombe bauen zu können? Israels Staatschef geht von rund sechs Monaten aus und drängt die USA erneut zum Handeln. Dabei stellt er einen bizarren Vergleich an.
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Benjamin Netanjahu und Barack Obama (re.) haben eine unterschiedliche Auffassung davon, wie mit Irans Atomprogramm umgegangen werden soll. Quelle: Reuters

Benjamin Netanjahu und Barack Obama (re.) haben eine unterschiedliche Auffassung davon, wie mit Irans Atomprogramm umgegangen werden soll.

(Foto: Reuters)

Washington/Tel AvivKnapp zwei Monate vor der US-Präsidentschaftswahl hat sich der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu indirekt in den Wahlkampf eingeschaltet. Er rief die Amerikaner am Sonntag in Interviews mit US-Fernsehsendern auf, einen Präsidenten zu wählen, der zum Ziehen einer „roten Linie“ gegenüber dem Iran bereit sei. Die Zeit werde knapp, sich gegen das Atomprogramm Teherans zu stellen, sagte Netanjahu. Er betonte am Sonntag in der „Jerusalem Post“ erneut, dem Iran müsse klar gesagt werden, was ein militärisches Eingreifen auslösen würde. In der Androhung von Konsequenzen sieht Netanjahu die Chance, einen militärischen Konflikt zu vermeiden. US-Verteidigungsminister Leon Panetta hat solche „kleinen roten Linien“ in dem Magazin „Foreign Policy“ jedoch als weltfremd abgetan.

Panetta argumentierte ebenfalls gegen eine Festlegung im Atomstreit. „Tatsache ist doch, dass ein amerikanischer Präsident, ein Regierungschef Israels oder eines jeden anderen Landes nicht einen Haufen kleiner roter Linien hat, die das Handeln bestimmen“, sagte er „Foreign Policy“. „Tatsächlich werden ihnen Fakten darüber vorgelegt, was ein anderes Land vorhat, und dann wägen sie ab, was zu tun ist“, fügte Panetta hinzu. „Das ist die wirkliche Welt. Rote Linien sind eher politische Argumente, um Leute in die Ecke zu drängen“, sagte der Pentagon-Chef.

Iran hat erklärt, sein Atomprogramm diene friedlichen Zwecken. Dies zu glauben, wäre töricht, sagte Netanjahu im Fernseh-Interview und verglich den Iran mit dem Oklahoma-Attentäter Timothy McVeigh. Er verwies darauf, dass mangelnde Geheimdiensterkenntnisse verheerende Folgen haben könnten. McVeigh hatte 1995 einen Anschlag auf ein Regierungsgebäude in Oklahoma City verübt, der 168 Menschen das Leben kostete.

„Das ist, als ob Timothy McVeigh in Oklahoma City in einen Laden geht und sagt: 'Ich möchte meinen Garten bearbeiten. Ich möchte Dünger kaufen.' Ich bitte Sie! Wir wissen, dass sie an einer Waffe arbeiten“, sagte Netanjahu.

In der vergangenen Woche hatte der israelische Ministerpräsident US-Präsident Barack Obama und die Regierungschefs anderer Staaten aufgefordert klar zu benennen, wann der Iran mit einem Militärangriff rechnen müsse. Obama und seine Spitzenberater verweisen jedoch auf US-israelische Geheimdienstinformationen, wonach der Iran noch nicht über den Bau einer Atombombe entschieden habe. Israelischen Medienberichten zufolge sagte Barack Obama in einer Telefonkonferenz mit US-Rabbinern, dass sich kein Staatsmann die Hände binden lasse. Zum Handeln bleibe noch ausreichend Zeit, und alle Optionen lägen auf dem Tisch.

Netanjahu sieht dies anders. Er schätzt, dass der Iran in etwa sechs Monaten einen Großteil des angereicherten Urans haben dürfte, das er zum Bau einer Bombe bräuchte. Teheran zu erlauben, die Ziellinie zu erreichen, hätte nach Ansicht Netanjahus verheerende Folgen. Dass Geheimdienstinformationen nicht immer ausreichten, sei beispielsweise daran abzulesen, dass die Anschläge vom 11. September 2001 nicht hätten verhindert werden können.

Netanjahu hat erklärt, dass er sich aus dem US-Wahlkampf heraushalten will. Er hat öffentlich weder für Präsident Obama noch für dessen Herausforderer Mitt Romney Partei ergriffen. Es ist aber ein offenes Geheimnis, dass er mit Obamas Nahostpolitik und insbesondere dessen Haltung gegenüber dem Iran unzufrieden ist. Romney hat erklärt, er sei bereit, gegenüber dem Iran eine härtere Haltung einzunehmen als Obama. Nähere Einzelheiten nannte er allerdings nicht. Auch persönlich versteht sich Romney gut mit Netanjahu, den er als einen langjährigen Freund bezeichnet hat.

Netanjahu betonte in den Interviews jedoch, dass er keine politische Absichten verfolge. Seine Äußerungen seien schlicht Ausdruck einer besonderen Dringlichkeit des Themas. „Ich glaube, es gibt ein gemeinsames Interesse aller Amerikaner, aller politischen Überzeugungen, den Iran zu stoppen“, sagte er. „Dies ist ein Regime, das den schlimmsten Impulsen freien Lauf lässt, die man gerade jetzt im Nahen Osten sieht.“

Netanjahu äußerte sich in den Fernsehsendern CNN und NBC.

  • dapd
  • dpa
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5 Kommentare zu "Atom-Streit: Netanjahu setzt Obama wegen Iran unter Druck"

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  • Naja, zumindest bin ich keine deutsche Energieelite !

  • Wer sind wir und wo haben Sie was gesehen? Reisen sie gerade durch Syrien? Sprechen sie Farsi, so das sie die Iraner auch verstehen?

  • Wir sehen und hören eine Iranische Rhetorik,die immer eindeutiger und Aggressiver
    Israel gegenüber wird , wir sehen wie der Iran sich Atomar bewaffnet , wir sehen wie Iranische Einheiten in Syrien stationiert werden , wir sehen wie Biologische und Chemische Kampfstoffe auf ihre Einsatzfähigkeit überprüft werden .
    Keiner brauch einen Hellseher (Propheten)um den nächsten schritt Vorauszusagen , es besteht Handlungsbedarf , DRINGEND !!!

  • Netanjahu sollte sich seinen gestörten Vaterkomplex (Vater war Iranhasser) behandeln lassen und nicht die ganze Welt damit in den Abgrund ziehen

  • wenn die usa jetzt einen nahost-krieg riskieren, dann wirds noch mehr gewaltausbrüche geben in den islamischen ländern und könnte sich sogar zu einem sich ausbreitenden krieg in nordafrika und vorderasien ausdehen. israel sollte dies bedenken und lieber erst mal in der innenpolitik aufräumen anstatt paranoid nach äußeren feinden zu suchen.

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