Atombombenabwurf auf Hiroshima
Opfer verlangen Entschuldigung von Obama

In Hiroshima starben bei dem Atombombenabwurf 1945 mindestens 140.000 Menschen, in Nagasaki rund 74.000. Opferverbände fordern eine Entschuldigung von US-Präsident Obama. Der jedoch hat andere Pläne.

TokioBei dem angekündigten Besuch in Hiroshima soll sich US-Präsident Barack Obama nach Ansicht der Opferverbände für den Atombombenabwurf vom August 1945 entschuldigen. „Ich fordere ihn auf, sich für die Toten zu entschuldigen sowie bei Hinterbliebenen und bei Eltern, die ihre Kinder verloren“, sagte Terumi Tanaka vom Verband der Atombomben- und Wasserstoffbomben-Opfer am Donnerstag mit Blick auf den Besuch Obamas in Hiroshima am 27. Mai.

„Viele Atombomben-Opfer denken, dass es nicht in Ordnung ist, wenn er sich nicht entschuldigt“, sagte der Vize-Generalsekretär des Verbands, Toshiki Fujimori, ein Überlebender des Atombombenabwurfs auf Hiroshima. Es müsse klargestellt werden, dass das Abwerfen von Atombomben „inhuman“ und eine „Verletzung des Völkerrechts“ sei.

Bei der Ankündigung des Obama-Besuchs in der vergangenen Woche hatte Präsidentensprecher Josh Earnest gesagt, der US-Präsident wolle keine förmliche Entschuldigung für den Atombomben-Abwurf durch die US-Streitkräfte abgeben. Der Besuch Obamas ist nach seiner Teilnahme am Gipfel der sieben führenden Industriestaaten (G7) in der japanischen Region Ise-Shima geplant.

Das Stimson-Institut in Washington teilte unterdessen mit, dass es in den kommenden Wochen eine Serie von Fotos an Japan übergeben werde, auf denen die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki einschließlich der Zerstörungen dokumentiert sind.

„Stellen Sie sich das Gefühl der Erschütterung und des Entsetzens vor, wenn sie als ein US-Regierungsverantwortlicher an solchen Vorträgen beteiligt wären“, sagte der Mitgründer des Instituts, Michael Krepon, über die damaligen Schilderung von US-General Leslie Groves, der mit den Aufnahmen den Effekt der Atombombenabwürfe demonstrierte. Die rund 20 Aufnahmen stammen aus Beständen der US-Armee und gingen in den 90er Jahren an das Stimson-Institut über.

Die US-Streitkräfte hatten mit ihren Atombomben-Abwürfen über Hiroshima und Nagasaki am 6. und 9. August 1945 Japan zur Kapitulation im Zweiten Weltkrieg gezwungen. In Hiroshima wurden mindestens 140.000 Menschen durch die Bombe getötet, in Nagasaki 74.000 Menschen.

Laut einer Umfrage des Instituts Pew Center erklärten im vergangenen Jahr 56 Prozent der US-Bürger, sie hielten den damaligen Atombomben-Einsatz für gerechtfertigt. Das waren weit weniger als in der Zeit kurz nach dem Zweiten Weltkrieg.

Obama will nach den offiziellen Angaben seinen Besuch im Friedenspark in Hiroshima nutzen, um eine „in die Zukunft gerichtete Vision“ vorzustellen. Er hatte sich schon zu Beginn seiner Präsidentschaft 2009 in Prag für eine atomwaffenfreie Welt ausgesprochen.

Obama ist der erste amtierende US-Präsident, der nach Hiroshima kommt. Ex-Präsident Jimmy Carter besuchte die Stadt nach seiner Amtszeit, Ex-Präsident Richard Nixon vor seinem Amtsantritt.

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
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