Atomenergie
Frankreich verhilft Italien zu neuer Atomenergie

Während Deutschland am Atomausstieg festhält, setzen die europäischen Nachbarn wieder auf die Atomkraft. Auch in Italien, das vor 20 Jahren seine Atomkraftwerke abschaltete, sollen nun neue Meiler gebaut werden. Weil die Erfahrung mit der Technologie fehlt, bekommen die Italiener Unterstützung aus Frankreich.

PARIS/MAILAND. Die Regierungen in Rom und Paris treiben gemeinsam den Wiedereinstieg Italiens in die Atomenergie voran. Beim bilateralen Gipfel in Rom unterzeichneten Italiens Premier Silvio Berlusconi und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy gestern ein energiepolitisches Rahmenabkommen. In der Praxis werden die teilstaatlichen Energiekonzerne EDF und Enel nach mehr als 20 Jahren wieder Atomreaktoren auf italienischem Boden bauen.

Die neue französisch-italienische Zusammenarbeit in der Kernenergie fällt in eine Zeit, in der die deutsch-französische Kooperation bröckelt. Erst kürzlich hatte Siemens seinen Ausstieg beim französischen Atomkonzern Areva bekannt gegeben. Auf der Suche nach einem neuen Partner in diesem Geschäftsbereich orientiert sich Siemens nun nach Russland und plant eine Kooperation mit der russischen Rosatom.

„Wir sind bereit, Rom massive Hilfe für die Rückkehr zur Kernenergie zu leisten“, sagte Sarkozy gestern. „Wir müssen aus dem Schlaf aufwachen, in dem wir uns seit Jahrzehnten befinden“, sagte Berlusconi. Dank des Know-how der französischen Freunde könne Italien „Jahre und Geld sparen“.

Berlusconis Regierung hatte im vergangenen Frühjahr nicht zuletzt angesichts der damals extrem hohen Energiepreise den Wiedereinstieg in die Kernenergie beschlossen. Italien hatte nach dem Reaktorunfall in Tschernobyl 1987 nach einem Referendum sämtliche Atomkraftwerke abgeschaltet und ist seitdem extrem abhängig von ausländischen Energielieferungen. Im März muss noch das Parlament die Rückkehr zur Atomkraft absegnen. Da Berlusconis Koalition dort über eine breite Mehrheit verfügt, rechnen Beobachter damit, dass das Gesetz problemlos durchgeht. Schwieriger wird sich dagegen die Suche nach geeigneten Orten für den Bau der Kraftwerke gestalten. Immer wieder werden in Italien auch Projekte wie Müllverbrennungsanlagen durch Bürgersproteste über Jahre verzögert.

EDF und Enel haben sich darauf geeinigt, in Italien mit einem gemeinsamen Konsortium insgesamt vier Reaktoren vom Typ des Europäischen Druckwasserreaktors (EPR) zu entwickeln, zu bauen und in Betrieb zu nehmen. Die erste Anlage soll spätestens 2020 ans Netz gehen. Enel erhält zudem die Option, sich mit 12,5 Prozent am zweiten französischen Atommeiler-Neubau in Penly zu beteiligen. Im Gegenzug bekommt EDF die Möglichkeit, sich an neuen italienischen Reaktoren zu beteiligen.

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