Atomenergie
Wechsel auf die Zukunft

Andere Länder setzen wieder auf die Kernenergie. Kraftwerksbauer und Versorger verweisen auf die hohen Sicherheitsstandards der neuen Reaktortypen. Doch 20 Jahre nach der Katastrophe von Tschernobyl ist die Atomkraft in Deutschland umstritten wie eh und je.

BERLIN. Grünen-Chefin Claudia Roth bezeichnet Atomkraftwerke gern als „Ausdruck technischer Hybris“ und warnt, niemals dürfe es eine Renaissance der Kernenergie geben. Dagegen stecken nach Auffassung der Branche große Chancen in der Atomkraft. Walter Hohlefelder, Präsident des Deutschen Atomforums und im Hauptberuf Mitglied des Vorstandes von Eon-Energie, bezeichnet die Kernkraft als eine „nachhaltige Technologie mit enormem Zukunftspotenzial“. Zwischen diesen beiden Ansichten liegen Welten. 20 Jahre nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl ist die Atomkraft in Deutschland politisch umstritten wie eh und je. In technischer Hinsicht hat sich dagegen viel getan.

Seit den 90er-Jahren wird weltweit an Reaktoren der dritten Generation gearbeitet. In Finnland bauen Siemens und Areva über ihr Joint Venture Framatome ANP einen Europäischen Druckwasserreaktor (EPR) der dritten Generation (siehe „Ausstieg aus dem Ausstieg“). Er soll 2009 fertig sein. Frankreich baut ebenfalls einen ersten Block der dritten Generation. Die Anlagenbauer haben für die neuen Reaktoren die Betriebsführung optimiert und setzen verstärkt auf passive Sicherheitssysteme. Diese brauchen im Gegensatz zu aktiven Systemen keinen elektrischen Antrieb und somit keinen Notstrom, sondern funktionieren ausschließlich auf Grund naturgesetzlicher Prinzipien. Sie nutzen etwa die Schwerkraft oder Druckdifferenzen aus.

Zehn Staaten – darunter Brasilien, Kanada, Frankreich, die Schweiz, Großbritannien und die USA – arbeiten bereits seit fünf Jahren gemeinsam an der vierten Kernkraftwerksgeneration, die 2025 kommerziell nutzbar sein könnte. Deutschland gehört der Initiative zur Erforschung des neuen Typs nicht an. Frankreich dagegen hat bereits angekündigt, einen Reaktor der vierten Generation bauen zu wollen.

Wichtigste Merkmale der neuen Reaktoren: Sie sollen effizienter sein und weniger radioaktive Abfälle produzieren. Durch modulare Bauweise mit kleineren Einheiten sind die Reaktoren flexibler einsetzbar. Außerdem wird es möglich sein, Wärme auszukoppeln. Damit könnten Industriebetriebe mit Strom und Prozesswärme versorgt werden. Das Anwendungsspektrum soll auch die großtechnische Wasserstoffproduktion und die Meerwasserentsalzung zur Trinkwassergewinnung umfassen.

Den Unglücksreaktor von Tschernobyl übrigens sehen die europäischen Kraftwerksbauer nicht in ihrer Linie von Kernkraftwerksgenerationen. Der Reaktor sei sicherheitstechnisch mit westeuropäischen Reaktoren nie vergleichbar gewesen.

Seite 1:

Wechsel auf die Zukunft

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%