Atomenergiebehörde
Neuer Mann und alte Probleme

Er liebt den Kompromiss mehr als die Konfrontation: Am Dienstag wird der Japaner Yukiya Amano Chef der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA. Größte Herausforderungen: die Konflikte mit Iran und Nordkorea. Amano setzt auf Entpolitisierung. Das kommt bei den Amerikanern gut an – doch die Strategie birgt auch Risiken.
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GENF. Er kommt aus dem einzigen Land der Erde, das die Grauen eines Atomschlags erdulden musste – der Japaner Yukiya Amano. Jetzt übernimmt der 62-Jährige den Topjob bei der Atompolizei der Weltgemeinschaft: Ab Dienstag leitet Amano als Generaldirektor die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) in Wien.

Der Neue ahnt, was auf ihn zukommt: „Das ist ein sehr wichtiger Job“, sagt Amano mit der Zurückhaltung eines Asiaten. „Macht man etwas Wichtiges, gibt es immer Schwierigkeiten.“

In der Tat: Schwierigkeiten werden den stets höflichen Karrierediplomaten in seiner vierjährigen Amtszeit nicht loslassen. Vor allem die Kernaufgaben der IAEA bergen Zündstoff: Die IAEA kämpft gegen die Weiterverbreitung von Atomwaffen; ihre Inspekteure überprüfen regelmäßig die Atomeinrichtungen der Länder. Und sie fördert die friedliche Nutzung der Kernenergie durch technische Kooperation.

Iran spielt mit IAEA Katz und Maus

„Zweifelsohne wird Iran die größte Herausforderung für den neuen Generaldirektor sein“, analysiert Mark Fitzpatrick vom Londoner Internationalen Institut für Strategische Studien. Denn Teheran versteckt, verheimlicht und verniedlicht große Teile seines umstrittenen Atomprogramms. Die Mullahs spielen mit den IAEA-Inspekteuren Katz und Maus. Wiederholt formulierte die IAEA ihre Sorge über die „mögliche militärische Dimension“ des iranischen Nuklearprojekts.

Doch alle Versuche, Teheran von dem Atomabenteuer abzubringen, scheiterten bislang. Derzeit herrscht bei den IAEA-Wächtern die pure Ratlosigkeit. „Wir wissen nur, es gibt keine Lösung über Nacht“, so der Jurist Amano. Er will aber „alles tun“, um an dem Thema dranzubleiben.

Ein nuklear aufgerüsteter Iran könnte für Israel zur tödlichen Bedrohung werden. Noch größer wäre der Alptraum, wenn Terroristen in der Region Zugriff zu Atomwaffen hätten. Experten sind sich sicher: Die Fanatiker von El Kaida wollen ihr Arsenal mit nuklearen Sprengkörpern bestücken.

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