Atomgespräche mit Iran
Der Westen ist vorsichtig optimistisch

Meint es der neue iranische Präsident Ruhani ernst? In Genf könnte sich das bei den Atomgesprächen jetzt herausstellen. Der Westen hofft auf zwei produktive Tage – und auch Ideen seitens der iranischen Delegation.
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GenfDer Iran und die internationale Gemeinschaft haben am Dienstag in Genf ihre Verhandlungen über Teherans umstrittenes Atomprogramm begonnen. Der Westen sieht die Gespräche als ersten Belastungstest für die Regierung des neuen iranischen Präsidenten Hassan Ruhani. Vertreter der sogenannten 5+1-Gruppe - bestehend aus China, Großbritannien, Frankreich, Russland, den USA und Deutschland - unternehmen damit einen neuen Anlauf, um in dem seit über zehn Jahre andauernden Atomstreit eine Lösung zu finden.

Die internationale Gemeinschaft dürfe sich nicht auf ein Teil-Abkommen einzulassen, ohne die vollständige Auflösung des militärischen Atom-Programms des Irans zu erzwingen, forderte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Israel fühlt sich durch mögliche iranische Atomwaffen in seiner Existenz bedroht.

Die iranische Führung hatte angekündigt, mit Vorschlägen die Verhandlungen wieder in Gang zu bringen. Geleitet werden die Genfer Gespräche von der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton und dem iranischen Außenminister Mohammed Dschawad Sarif. Der Westen sieht das Treffen auch als ersten Belastungstest für die Regierung des als moderat geltenden iranischen Präsidenten Hassan Ruhani. Der Kleriker war Anfang August vereidigt worden.

„Ich hoffe, dass wir zwei sehr produktive Tage haben werden“, sagte Ashton. Es gehe darum, „die Vorschläge zu sondieren, die wir auf den Tisch gelegt haben, aber auch Ideen, die vom Iran kommen.“ Sie hoffe, dass es möglich sein werde, „in die Einzelheiten zu gehen und Möglichkeiten zu erkunden“, sagte ein Sprecher Ashtons. „Wir sind mit vorsichtigem Optimismus, aber auch mit Entschlossenheit hierher gekommen.“

Vor Beginn der Verhandlungen hatte die iranische Führung zugleich rote Linien gezogen. Demnach lehnt Teheran alle Forderungen ab, die Urananreicherung vollständig einzustellen. Das verlangt unter anderem Israel.

Zum anderen will der Iran bereits angereichertes Uran nicht ins Ausland bringen. „Wir werden in den Verhandlungen über Form und Menge der Urananreicherung diskutieren, aber das angereicherte Uran ins Ausland zu bringen, ist unsere rote Linie“, sagte der stellvertretende Außenminister Abbas Araghchi.

Teheran signalisierte im Vorfeld Kompromissbereitschaft. Zwar will das Land nicht auf eine niedrige Anreicherung von Uran auf bis zu 5 Prozent für die Stromerzeugung und medizinische Zwecke verzichten. Aber auf eine Anreicherung auf 20 Prozent möglicherweise schon. Für Atomwaffen wird das spaltfähige Uran-235 auf mindestens 80 Prozent angereichert. „Der Vorschlag ist so zusammengestellt, dass es keinen Vorwand für dessen Ablehnung gibt“, sagt Vizeaußenminister Aragchi.

Im Gegenzug fordert der Gottesstaat die Anerkennung seiner Rechte auf ein ziviles Atomprogramm. Außerdem sollen die internationalen Sanktionen aufgehoben werden. Sie haben das Land in den vergangenen 20 Monaten in eine Wirtschaftskrise geführt.

Bei den Gesprächen in Genf wird kein Durchbruch erwartet. Nach Vorstellung von Außenminister Sarif sollen sich die Unterhändler zuerst auf den weiteren Fahrplan einigen. Die Details sollten dann während eines weiteren Treffens auf Außenministerebene ausgearbeitet werden.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Im Zeitalter von Kampfjets, die über Mach 2 fliegen, ist das Nachbarschaft!

  • Wenn israel der Nachbar des Iran waer, wäre das Problem längst gelöst .....

  • "Darum das Anreicherungsprogramm , darum der Angriffssichere verbau seiner Zentrifugen ."
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    Sorry, aber mit den Israelis als Nachbarn würde ich meine Anreicherungsanlagen auch angriffssicher bauen und gleich auch noch mit Flugabwehrbatterien bestücken.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Operation_Opera
    Wie gesagt, nicht mal die CIA sieht Anhaltspunkte für den geplanten Bau von A-Bomben.

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