Atomgespräche mit Iran
Keine Einigung, aber Verlängerung bis 2015

Die Frist für die Atomverhandlungen mit dem Iran läuft heute ab. Eine Einigung gibt es nicht. Immerhin sollen die Gespräche ab Dezember fortgesetzt werden. Ein Diplomat berichtet von Fortschritten in den Verhandlungen.
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Die internationalen Atomverhandlungen mit dem Iran werden voraussichtlich bis zum 1. Juli 2015 verlängert. Das teilte ein westlicher Diplomat am Montag am Verhandlungsort in Wien mit. Ursprünglich hatten sich die Verhandlungspartner darauf verständigt, bis zum 24. November eine abschließende Einigung erzielen zu wollen.

Als Tagungsort für die nächste Runde sind demnach wieder Wien sowie der Wüstenstaat Oman im Gespräch. Ein anderer Diplomat sagte, man müsse in den Hauptstädten Rücksprache halten und werde sich vor Jahresende erneut treffen. „Es sind Fortschritte erzielt worden.“

In den Verhandlungen geht es um eine Beschränkung des iranischen Atomprogramms. Im Gegenzug sollen die internationalen Sanktionen gegen die Islamische Republik schrittweise aufgehoben werden. Nach Angaben eines Diplomaten kann nach die Führung in Teheran nach der Vertagung der Gespräche zunächst nicht auf eine weitere Lockerung der Strafmaßnahmen hoffen.

Vor allem der Westen verdächtigt den Iran, unter dem Deckmantel der Stromerzeugung Atomwaffen zu entwickeln. Die Führung in Teheran bestreitet dies. Auch Regierungen in der Region verfolgen die Gespräche mit Spannung: So fürchtet Israel, dass der Iran nur vage Zusagen macht und behält sich eine Zerstörung der Atomanlagen vor. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte in einem BBC-Interview: „Kein Abkommen ist besser als ein schlechtes Abkommen.“ Der Iran wolle die Aufhebung der Sanktionen erreichen und trotzdem weiter Uran anreichern. Auch Saudi-Arabien fürchtet einen Aufstieg des Nachbarn zur Atommacht.

Dass es bis zum Ablauf der Frist am Montag Mitternacht keinen Durchbruch in den Verhandlungen geben würde, hatte sich wegen der Differenzen bereits seit Wochen abgezeichnet. Dennoch verbreitete der Iran weiter Zuversicht: die Diplomaten des Landes arbeiteten noch immer auf eine Einigung hin, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Irna. Die russische Nachrichtenagentur Tass meldete, Präsident Wladimir Putin wolle am Montag am Telefon mit seinem iranischen Kollegen Hassan Ruhani über den Konflikt sprechen.

Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier hatte bereits am Sonntag die Erwartungen gedämpft: „Wir sind bei diesem komplexen Konflikt in vielen Punkten noch auseinander“, sagte er der ARD. Am Montag traf er sich erneut mit seinen Kollegen aus dem Iran und den fünf UN-Vetomächten USA, Russland, China, Großbritannien und Frankreich. Ursprünglich sollten die Verhandlungen am 20. Juli abgeschossen werden. Als das nicht gelang, wurde die Frist auf den 24. November verlängert. Größter Streitpunkt ist, in welchem Umfang der Iran Uran anreichern darf. Das Material kann für die Energieproduktion wie auch für Atomwaffen verwendet werden.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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