Atominspekteure eingetroffen
Abschaltung des Reaktors in Nordkorea erwartet

Nachdem die Atominspekteure in Pjöngjang angekommen sind und auch die erste Energielieferung eingetroffen ist, wird von Nordkorea die baldige Schließung seiner umstrittenen Atomanlage in Yongbyon erwartet.

HB PJÖNGJANG/PEKING. Das Team der Internationalen Atomenergieagentur (IAEA) machte sich am Samstag nach der Landung in der nordkoreanischen Hauptstadt auf den Weg zu dem Reaktor etwa 100 Kilometer außerhalb von Pjöngjang, wie die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap berichtete. Der Leiter Adel Tolbe sagte vor dem Abflug von Peking: „Wir werden sofort nach der Ankunft mit der Arbeit beginnen.“

Die erste Ladung einer Lieferung von 50 000 Tonnen schweren Heizöls, die das unter Energiemangel leidende Land im Gegenzug für das Herunterfahren des Reaktors erhält, traf ebenfalls am Samstag im nordkoreanischen Hafen Sonbong ein, wie Yonhap berichtete. Das Regime in Nordkorea hatte in Aussicht gestellt, nach der Ankunft der ersten Ladung die Anlage wie vereinbart stillzulegen. Nachdem am Samstag zunächst 6200 Tonnen geliefert wurden, macht sich am Montag ein weiteres Schiff mit 7500 Tonnen von Südkorea auf den Weg. Bis Anfang August soll die gesamte Lieferung abgeschlossen sein.

Nach dem Erhalt der Öllieferung erwartet Südkorea, dass der Norden seine Zusagen erfüllt und mit der Abschaltung des Reaktors beginnt, wie Yonhap aus Seoul berichtete. Wie schnell Nordkorea aber seine Atomanlagen dichtmacht, war weiter offen. In den nächsten zwei Wochen werden die IAEA-Inspekteure Kameras und andere Ausrüstung zur Überwachung der Schließung und Versiegelung der Atomanlage installieren. Danach sollen zwei Inspekteure ständig dort sein.

Nordkorea hatte im Februar im Rahmen der Sechs-Parteien-Gespräche zugesagt, seine Atomanlage bis Mitte April zu schließen, doch die Frist wegen des Streits um eingefrorene nordkoreanische Gelder in einer Bank in Macao und amerikanische Finanzsanktionen verstreichen lassen. Mit der Überweisung der 25 Mill. $ aus Macao über Russland an Nordkorea wurde Ende Juni der Weg frei für die Einhaltung des Abkommens und neue Verhandlungen. Am Mittwoch werden in Peking neue Sechser-Gespräche aufgenommen. Neben Nordkorea und den USA nehmen auch China, Südkorea, Japan und Russland teil.

Für eine vollständige atomare Abrüstung winken dem verarmten und unter Hunger leidenden stalinistischen Staat umfangreiche Energie- und Wirtschaftshilfen, Sicherheitsgarantien und eine Normalisierung der Beziehungen zu den USA. Doch sind viele Punkte noch strittig. Unter anderem werden Probleme erwartet, wenn Nordkorea sein ganzes Atomprogramm enthüllen oder seine Atomwaffen aufgeben soll. Die USA verdächtigen Nordkorea, eine Urananreicherung zu betreiben, was Pjöngjang vehement bestreitet. Umstritten ist auch Nordkoreas Forderung nach einem Leichtwasserreaktor zur Stromerzeugung.

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