Atomkonflikt
Iran soll offenbar Uran anreichern dürfen

Die fünf Veto-Mächte im UN-Sicherheitsrat und Deutschland wollen dem Iran im Atomkonflikt offenbar weit entgegenkommen: Offenbar ist der Westen bereit, Teheran seinen Segen für die umstrittene Anreicherung von Uran zu geben.

HB WIEN. Wie die Nachrichtenagentur AP am Mittwoch unter Berufung auf Diplomatenkreise berichtet, würden die sechs Staaten nicht mehr auf einem grundsätzlichen Verzicht Iran auf der Urananreicherung bestehen. Die so genannte Uranumwandlung - der Schritt vor der Anreicherung - solle sogar grundsätzlich erlaubt werden.

Bei der Urananreicherung wird Natururan zunächst in gasförmiges Uranhexafluorid umgewandelt und anschließend in einen Zylinder geleitet, der sich mit hoher Geschwindigkeit dreht. Auf diese Weise lässt sich das Uran-Isotop U235, das in Kernkraftwerken und für Nuklearsprengsätze benutzt wird, vom Isotop U238 trennen.

Deutschland setzte sich offenbar für Teheran ein

Den Diplomaten zufolge setzte sich Deutschland für die Zugeständnisse ein und hatte dabei die Unterstützung von Mohammed Al Baradei, dem Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA). Bundeskanzlerin Angela Merkel betonte am Mittwoch den Spielraum, den die fünf ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats und Deutschland in ihrem Angebot zur Lösung des Konflikts gelassen hätten.

„Das Angebot ist ein Angebot, um Verhandlungen aufzunehmen“, antwortete die Kanzlerin auf die Frage, ob die Vorschläge der internationalen Gemeinschaft verhandelbar seien. Voraussetzung sei zwar, dass der Iran wie gefordert seine Uran-Anreicherung als vertrauensbildende Maßnahme aussetze. Ansonsten sei das Angebot aber „weit und breit angelegt“ und „eine riesige Chance“.

Bush macht gut Wetter

US-Präsident George W. Bush bezeichnete die erste Reaktion des Irans als positiv. Jetzt bleibe abzuwarten, ob Teheran die Vorschläge tatsächlich ernst nehme, sagte Bush am Dienstag in Texas. Zugleich bekräftigte Bush sein Angebot zu direkten Verhandlungen. „Die USA werden sich mit den Iranern an den Tisch setzen, wenn sie die Urananreicherung in nachprüfbarer Weise aussetzen.“

Zu dem Angebotspaket des Westens gehören neben den möglichen Zugeständnissen beim Atomprogramm auch wirtschaftliche und technische Unterstützung. Neben dem Aufbau eines unkritischen Leichtwasserreaktors werde auch die Lieferung von Passagierflugzeugen und Ersatzteilen für die zivile iranische Luftfahrt in Aussicht gestellt - dafür müssten die USA ein Embargo aufheben.

Andererseits enthält das Paket die Drohung, den Weltsicherheitsrat einzuschalten, sollte der Iran nicht kooperieren. Der russische Außenminister Sergej Lawrow teilte am Mittwoch mit, man trage Sanktionen nur für den Fall, dass Teheran gegen den Atomwaffensperrvertrag verstoße.

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