Atomkonflikt
Nordkorea droht Südkorea mit Krieg

Nach kurzer Pause startet Nordkoreas Führung mit neuen Verbalattacken: Dieses Mal hat es Pjöngjang auf sein Nachbarland Südkorea abgesehen. Nordkorea drohte gar mit Krieg, sollte Seoul die im Atomkonflikt verhängten internationalen Sanktionen umsetzen.

HB SEOUL. Eine Beteiligung Südkoreas an den Strafmaßnahmen der internationalen Gemeinschaft gegen Nordkorea werde als eine ernsthafte Provokation betrachtet, die auf der koreanischen Halbinsel zu einem Krieg führen könne, sagte der Sprecher des nordkoreanischen Komitees für eine friedliche Wiedervereinigung des Vaterlandes laut einer Erklärung, die die staatliche Nachrichtenagentur KCNA am Mittwoch verbreitete.

Nordkorea hat im September bereits eine ähnliche Drohung ausgesprochen, als der Uno-Sicherheitsrat eindringlich vor weiteren Provokationen des kommunistischen Landes warnte. Nach dem Atomwaffentest am 9. Oktober hat das mächtigste UN-Gremium sein Vorgehen gegen Nordkorea verschärft und Strafmaßnahmen erlassen. Südkorea kündigte als Reaktion auf den Test an, seine bisher großzügige Unterstützung des verarmten Nordens zu überdenken.

Die beiden Staaten befinden sich formal noch immer im Kriegszustand. An ihrer hoch aufgerüsteten Grenze sind zehntausende Soldaten stationiert. Südkorea wird auch militärisch massiv von den USA unterstützt.

Der südkoreanische Vereinigungsminister Lee Jong Seok hat indes seinen Rücktritt angeboten. Er entschuldige sich bei der Bevölkerung, die Krise um das nordkoreanische Atomwaffenprogramm nicht verhindert zu haben, sagte der für die Nordkorea-Politik zuständige Ressortchef. Nach dem ersten Atomtest in Nordkorea vor gut zwei Wochen seien die Erfolge bei der innerkoreanischen Aussöhnung Gegenstand einer „rücksichtslosen“ politischen Auseinandersetzung geworden.

Die Regierung in Seoul ist seit dem Test vor allem durch die Forderung, die wirtschaftliche Kooperation mit dem kommunistischen Nachbarland einzustellen, immer stärker unter Druck geraten. Seoul machte aber deutlich, vorerst an den wichtigsten Projekten der Kooperation mit Nordkorea festhalten zu wollen. Das Außenministerium in Seoul betonte aber auch, dass eine Sondergruppe damit beauftragt worden sei, sich um die Durchsetzung der durch den Weltsicherheitsrat beschlossenen Sanktionen gegen Nordkorea zu kümmern.

Nach Angaben des Präsidialamts hatte Lee Staatspräsident Roh Moo Hyun Dienstag von seinem Rücktrittswunsch informiert. Einen Tag zuvor hatte bereits Verteidigungsminister Yoon Kwang Ung seinen Rücktritt angeboten. Lee war erst seit Februar im Amt. Es wurde erwartet, dass Roh den Rücktritt Lees akzeptiert und in den nächsten Tagen zusammen mit einem Nachfolger für ihn sowohl einen neuen Verteidigungsminister als auch einen neuen Außenminister bestimmen wird. Der derzeitige Außenminister Ban Ki Moon übernimmt am 1. Januar 2007 den Posten des UN-Generalsekretärs.

Die „Zeit“ berichtete unterdessen über die Lage in Nordkorea, dass Gesetzlosigkeit und Verbrechen im Lande zunähmen. Der China-Korrespondent des Blattes habe von nordkoreanischen Flüchtlingen im Grenzgebiet zwischen beiden Ländern gehört, dass Soldaten die Felder plünderten. Ausländische Hilfsgüter kämen ausschließlich bei der Clique von Machthaber Kim Jong Il an. Wer keine Nahrungsmittel stehlen wolle, müsse nach Gras und Kräutern suchen. Im chinesischen Grenzgebiet zu Nordkorea halten sich nach diesen Informationen mehrere zehntausend Flüchtlinge versteckt.

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