Atomkonflikt
Nordkorea verschreckt freie Wirtschaft

Nordkoreas Machthaber reagieren auf internationalen Druck - und verhaften einen Südkoreaner. Die wirtschaftliche Zusammenarbeit der beiden Staaten wird für Unternehmen zum Abenteuer. Über den gefährllichen Amoklauf eines isolierten Staates.

TOKIO. Der sich wieder zuspitzende Atomkonflikt mit Nordkorea bringt auch südkoreanische Unternehmer zunehmend in Bedrängnis. Denn die kommunistische Führung in Pjöngjang hat sämtliche Verträge über die wirtschaftliche Zusammenarbeit der beiden Nachbarn für nichtig erklärt. Eine Gruppe südkoreanischer Firmen, die in der Sonderwirtschaftszone Kaesong auf nordkoreanischem Boden Fabriken betreiben, hat deshalb gestern bei der Regierung in Seoul um Hilfe gebeten. Das einstige "Friedensprojekt" Kaesong wird für sie mehr und mehr zum Abenteuer.

In der Ende 2002 eingerichteten Wirtschaftsenklave Kaesong arbeiten mehr als 30 000 Nordkoreaner für südkoreanische Firmen. Sie müssen ihr Gehalt beim Staat abliefern und bringen Machthaber Kim Jong-Il damit harte Währung, mit der er Militärtechnik oder Luxusgüter kaufen kann. Im Mai erwirtschafteten die Unternehmen in Kaesong immerhin 63 Mio. Dollar.

Vor kurzem hatte das Regime in Pjöngjang aber eine Anhebung der Pachtgebühren für Kaesong um 3000 Prozent auf 500 Mio. Dollar und eine Vervierfachung der Löhne der Arbeiter auf 300 Dollar gefordert. Zudem verhafteten die nordkoreanischen Behörden einen Südkoreaner, der das politische System des Landes kritisiert haben soll. Die Regierung in Seoul ist nicht bereit, auf Pjöngjangs Forderungen einzugehen: "Wir im Süden versuchen, dem Norden verständlich zu machen, wie unfair es war, die existierenden Abmachungen zu brechen", sagte ein Beamter des Vereinigungsministeriums dem Handelsblatt. Priorität habe derzeit, den inhaftierten südkoreanischen Firmenmitarbeiter freizubekommen.

Angesichts der neuen Spannungen hat der Pelzhersteller Sskin Net bereits das Handtuch geworfen und sich aus der Sonderwirtschaftszone zurückgezogen. Das Management beklagt sinkende Aufträge und fürchtet um die Sicherheit der Mitarbeiter.

Kaesong sollte einst die Entspannungspolitik auf der geteilten koreanischen Halbinsel wirtschaftlich flankieren, doch von der Vision einer kontrollierten Wiedervereinigung beider Staaten ist derzeit nichts mehr zu spüren. Südkoreas Präsident Lee Myung-Bak hält ein zu starkes Entgegenkommen gegenüber Pjöngjang für den falschen Weg. Das Verhalten des Nordens in den letzten Monaten scheint ihm recht zu geben. So hatte Pjöngjang am 25. Mai seinen zweiten Atomsprengsatz gezündet und in der Folge eine Reihe von Raketen abgefeuert.

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