Atomkonflikt verschärft sich
EU unterstützt Israels Kurs gegen Iran

Der Druck auf den Iran wächst. Auch in Europa verschärft sich der Ton gegen Teheran. Ein Militärschlag scheint nicht mehr ausgeschlossen. Doch Präsident Ahmadinedschad zeigt sich unnachgiebig.

TEL AVIV. Im Dauerstreit mit Iran kann Israels Regierung einen weiteren diplomatischen Erfolg verbuchen. Nicht nur US-Präsident George W. Bush will mit allen Mitteln verhindern, dass Iran in den Besitz von Atomwaffen gelangt. Auch die europäischen Regierungen würden nicht zulassen, dass sich Teheran Nuklearwaffen beschaffe, sagte gestern der französische Außenminister Bernard Kouchner. Damit hat sich der Ton in Europa gegenüber Teheran deutlich verschärft. Weil Iran auf die Urananreicherung nicht verzichten will, hatte die EU Anfang der Woche neue Sanktionen gegen Iran verhängt.

In Israels politischen Kreisen gilt es als wahrscheinlich, dass es zu einem begrenzten Militärschlag gegen Iran kommen wird, solange Bush noch im Weißen Haus sitzt. Und John Bolton, der frühere US-Botschafter bei der Uno und ein Vertrauter von Vizepräsident Dick Cheney nennt sogar einen ziemlich konkreten Termin: Sobald am 4. November der neue Präsident gewählt sei, beginne der Countdown, sagte Bolton dem britischen "Telegraph". Denn der Angriff müsste vor dem Einzug des neuen Präsidenten im Weißen Haus am 20. Januar stattfinden.

Aber auch in Europa sieht Israel inzwischen Rückendeckung für einen Angriff. Die zuletzt auch in Deutschland, Großbritannien und Italien laut vorgetragenen Freundschaftsbeteuerungen zum jüdischen Staat zeigten, wie ernst Europa die iranische Atomgefahr inzwischen nehme, sagte ein israelischer Diplomat. Zwar schrecke die Sorge vor einem noch weiter steigenden Ölpreis die Europäer ab - doch mache sich die noch größere Sorge breit, dass ein atomar aufgerüsteter Iran die Ölpreise nach Belieben beeinflussen könnte.

Wie sensibel der Ölpreis reagierte zeigte sich, als Transportminister Schaul Mofaz kürzlich erklärte, Israel werde bei einer Fortsetzung des iranischen Atomprogramms die islamische Republik angreifen: Sofort machten die Ölpreise einen Sprung um neun Prozent nach oben.

Viel Zeit bleibe nicht, um die Atomkrise diplomatisch zu lösen oder zumindest zu entschärfen, lautet der Konsens in israelischen Sicherheitskreisen. In spätestens zwei Jahren werde Iran die Schwelle überschritten haben, um Nuklearwaffen zu entwickeln.

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