Atomkraft steht in Frage
Frankreich wird plötzlich zum Land der Energiewende

Als Gastgeber der UN-Klimakonferenz im Dezember will Frankreich mit gutem Beispiel vorangehen. Das Gesetz zur Energiewende setzt ehrgeizige Ziele – und kratzt sogar an der Allmacht der Atomkraft bei der Stromversorgung.
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ParisWer als deutscher Tourist mit dem Auto an die französische Mittelmeerküste fährt, kommt im Rhône-Tal unweigerlich an den typischen Umrissen von Atommeilern vorbei. Mangels großer Kohle- und Ölreserven stützte das Land seine Stromversorgung in den 1970er Jahren auf einen der größten Atomparks der Welt: 58 Reaktoren in 19 Kraftwerken liefern drei Viertel des französischen Stroms. Die Anti-Atom-Bewegung war dort nie so stark wie in Deutschland.

Doch nun legt das Land der Branche nach langem Hin und Her Zügel an: Das französische Energiewende-Gesetz sieht vor, den Anteil am Strommix auf 50 Prozent zu senken. Ein Wahlversprechen von Präsident François Hollande – und nur ein Punkt im ehrgeizigen Projekt der Energiewende à la française, die am Mittwoch nach langem Streit in der Nationalversammlung endgültig zur Abstimmung stand.

Es bedeutet in vielerlei Hinsicht eine echte Kehrtwende: Das Land will seinen Rückstand bei der Öko-Strom-Produktion aufholen, weniger Treibhausgase ausstoßen und insgesamt viel weniger Energie verbrauchen. Auf dem Papier liegen Frankreich und Deutschland damit nun auf einer Linie: Es sei „frappierend, wie ähnlich sich die Ziele beider Länder beim Thema Energiewende sind“, heißt es in einer Analyse des Gesetzentwurfs von der Friedrich Ebert Stiftung.

So will Paris wie Berlin bis 2050 nur noch halb so viel Energie verbrauchen und knapp ein Drittel des Energiebedarfs aus Wind, Sonne und anderen erneuerbaren Quellen decken. Konkret schießt Paris beispielsweise bis zu 8000 Euro bei energiesparenden Umbauten zu; wer einen alten Diesel gegen ein Elektroauto eintauscht, bekommt 10.000 Euro vom Staat. Genehmigungen für Windanlagen sollen leichter werden, Bürger und Gemeinden können künftig Öko-Energie-Projekte finanzieren.

An anderer Stelle fehlt es dagegen an Details: So legt das Gesetz nicht explizit fest, ob Atommeiler abgeschaltet werden müssen - und erst recht nicht, welche und wann. Der WWF und andere Umweltorganisationen nannten das in einer Analyse „le grand flou“ - „die große Unschärfe“. Während die grüne Ex-Umweltministerin Cécile Duflot im Herbst noch beteuerte, mit der 50-Prozent-Vorgabe müssten um die 20 Reaktoren vom Netz, hält Stromerzeuger EDF sich bedeckt. Es gibt auch Vermutungen, dass bei wachsender Bevölkerung ein höherer Stromverbrauch zu erwarten sei und der Atom-Anteil deshalb automatisch fallen könnte.

Eine klare Grenze enthält das Gesetz allerdings : Die Höchstleistung aller französischen Atommeiler wird auf das derzeitige Maß begrenzt. Damit deutet sich an, dass wohl zwei Meiler abgeschaltet werden müssen, wenn der neue EPR-Reaktor in Flamanville in der Normandie ans Netz geht, dessen Fertigstellung sich allerdings schon mehrfach verspätete. Diese Diskussion dürfte auf deutscher Seite gerade in der Nähe des grenznahen Kernkraftwerks Fessenheim aufmerksam verfolgt werden – dessen Schließung hatte Hollande im Wahlkampf zugesagt, ist das Versprechen aber bislang schuldig geblieben.

Die konservative Opposition befeuerte während des monatelangen Gezerres um das Gesetz die Furcht vor höheren Energiepreisen für Haushalte und die ohnehin angeschlagene Industrie. Die Atomlobby SFEN warnt auch, ohne ihre Kraftwerke sei das geplante Ziel von der Verringerung der Treibhausgase (minus 40 Prozent bis 2030) nicht zu erreichen: „Die deutsche Erfahrung zeigt, dass eine überstürzte Wende zugleich zu einer Steigerung des Strompreises und einer Erhöhung der CO2-Emissionen (+2,3 Prozent zwischen 2011 und 2013) führen kann.“

Die sozialistische Regierung betonte im Gegenzug immer wieder, dass zusätzliche Investitionen in neue Energieträger und die Renovierung alter Gebäude auch das Wachstum ankurbelten. Das Gesetz hat für Frankreich auch eine große Symbolwirkung: Wenige Monate vor der Weltklimakonferenz in Paris will der Gastgeber mit gutem Beispiel vorangehen.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Was wir unter der französischen "Energiewende" zu verstehen haben bleibt erst mal offen.Durch was soll Kernkraft ersetzt werden ?Was geschieht mit den AKWs ?
    Durch den Ersatz von Dieselautos durch E-Autos dürfte sich wohl kaum Strom einsparen lassen.Wodurch soll die Einsparung dann erfolgen? Durch Strompreiserhöhung? Da viele Franzosen mit Strom heizen ,wäre das eine Möglichkeit.Könnte dazu führen,daß der FLN endlich regierungsfähig wird.
    Bei all dem muß man sich die Frage stellen :Was steckt dahinter?
    Es gibt die USD-Doktrin ,daß niemand außer USrael Kernwaffen besitzen dürfe.Wer KKWs betreibt ,kann auch relativ leicht Kernwaffen bauen.Deshalb mußten in germany schon vor 2 Jahrzehnten alle Kernforschungsanlagen geschlossen werden und auch die KKWs abgeschaltet.Die merkwürdigen Vorgänge in Fukushima waren vermutlich eine letzte Warnung.Muttis panische Reaktion muß wohl einen realen Hintergrund haben,den wir nicht kennen.
    Frankreich ist zum Unterschied von krautistan ein souveränes Land ,dort kann man von außen nicht einfach verfügen.Aber warnen kann man sehr wohl.Welche Warnung hat Hollande erhalten ?

  • Wenn Frankreich jetzt aus der Grundlastfähigen und CO2 freien Kernkraft einen Rückzug vollzieht und stattdessen die unwirtschafltichen und wertevernichtenden sog. Erneuerbaren Energien einführt, dann steht nicht nur den Franzosen in Zukunft ein Zeitalter des Mangel und des wirtschaftlichen Rückschritts bevor, sondern der gesamten EU/Europa!!!!
    Der Stromausfall für Deutschland und Europa rückt damit immer näher. Und der wirtschaftliche Abschwung in Deutschland ist dann auch nur noch eine Frage von 2-3 Jahren. Dann können wir uns zu Griechland dazusetzen. Wirtschaftliche und Wissenschaftlich ist mit Wind und Sonne nicht einmal mehr ein Blumentopf zu gewinnen. Außer das wir in einer Mangelgesellschaft aufwachen werden und unsere Naturlandschaft mit Windmühlen und Solarparks industriealisiert haben, wird sich die weltweite Kraftwerkswelt von Kohle, Gas und vorallen Uran weiterdrehen. Asien und die USA wie auch Russland werden dann den Mangelkontinent EUROP meilenweit abhängen. Europa wird mit dieser wertevernichtenden EE-Politik zu einen Afrika 2.0. Zurück ins Mittelalter!

  • Die armen Franzosen. Dank Frau Merkel können viele die zu erwartenden, explodierenden Energiekosten, von Frau Merkel persönlich befohlen, nicht mehr tragen können. Den Franzosen wird es nicht anders ergehen. Frau Merkel hat also auch hier im Kampf gegen Menschen gewonnen!

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