Atomkraft
Warum in Japan die Lichter ausgehen könnten

Im April 2012 könnte in Japan Strommangel herrschen - wenn das letzte der 54 Atomkraftwerke des Landes vom Netz ist. Ein Exodus der Industrie droht. Es ist ein unfreiwilliger Atomausstieg.
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TokioNach der Katastrophe von Fukushima verweigern die zuständigen Behörden aus Sicherheitsbedenken das Wiederanfahren nach einer Revision. Doch das Ende der Atomkraft käme für Japan viel zu schnell. Die wirtschaftlichen Kosten dafür wären massiv, ein Exodus der Industrie droht, und Experten gehen deswegen nicht davon aus, dass schon 2012 der Ausstieg kommt. „Die Regierung ist wohl der Meinung, dass die Kosten zu hoch wären, und deswegen glaube ich nicht, dass im kommenden Jahr alle Reaktoren stillstehen“, sagte Masamichi Adachi von JPMorgan in Tokio. Denn Alternativen zur Atomkraft gibt es in dem rohstoffarmen Inselstaat kaum.

Derzeit steuern die Atommeiler etwa 30 Prozent zur Stromversorgung bei. Um dauerhafte großflächige Stromausfälle zu vermeiden, müsste Japan massiv in neue Gaskraftwerke investieren und Gas für Milliardensummen importieren. Derzeit reichen die Kapazitäten nicht aus, um einen Ausfall aller Nuklearkraftwerke ausgleichen zu können. Neue Kraftwerke und die dafür benötigte Infrastruktur stehen aber nicht über Nacht, der Bau dürfte sich über Jahre hinziehen. Zudem reichten möglicherweise die Kapazitäten der Häfen nicht aus, um die Schiffe mit Flüssiggas abzufertigen, sagte Flüssiggas-Spezialist Andy Flower.

Erneuerbare Energien spielen in dem ostasiatischen Land zumindest bisher kaum eine Rolle. „Ich bin besorgt“, sagte jüngst die Nummer zwei der regierenden Demokratischen Partei, Katsuya Okada. „Es ist eindeutig, dass die Energieversorgung nicht ausreichend sein wird, wenn alle Atomkraftwerke komplett stillstehen. Es ist deswegen notwendig, die Reaktoren wieder hochzufahren, wenn die Inspektionen abgeschlossen sind.“

Die Sorge Okadas kommt nicht von ungefähr. Seit der Havarie von Fukushima werden nach und nach immer mehr der 54 Atomkraftwerke in Japan abgeschaltet. Grund dafür ist eine Besonderheit in Japan: Nach jeder Revision eines Kraftwerks, die turnusmäßig alle 13 Monate ansteht, muss nicht nur die zuständige Bundesbehörde grünes Licht zum Wiederanfahren geben, sondern auch die Kommune, in der das Kraftwerk steht. Bei den Kommunalpolitikern machten sich nach der schwersten Atomkatastrophe seit Tschernobyl nun Sicherheitsbedenken breit, weswegen sie die Genehmigung zum Hochfahren derzeit verweigern.

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  • In Ihrer Therapierunde würde man Sie für diesen inhaltslosen Beitrag vielleicht beklatschen, aber hier blamieren Sie sich nur.

  • Mit welchem Zeithorizont gilt das? Jetzt, ja. In 10 Jahren, das wird sich zeigen.

  • die Antwort werden wir bekommen wenn wir in der kalten und dunklen Wohnung sitzen.
    .
    Mit dem warmen Arsch im Sessel und vorm beleuchteten Bildschirm rumhacken, sind solche Entscheidungen immer simpel.

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