Atomkraftwerk Penly: Französische Reaktorpanne schwerer als bisher bekannt

Atomkraftwerk Penly
Französische Reaktorpanne schwerer als bisher bekannt

Ein Störfall in dem französischen Atomkraftwerk Penly war offenbar alles andere als eine kleine Panne. Gleich vier schwere Defekte ereigneten sich in dem AKW. Die Börse traut dem Betreiber EDF schon länger nicht mehr.
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ParisDer Störfall im französischen Atomkraftwerk Penly an der Kanalküste nahe Dieppe war schwerwiegender, als anfangs bekannt wurde. Wie der Stromkonzern EDF dem Handelsblatt bestätigte, gab es im Primärkreislauf eines der beiden Reaktoren eine Folge von vier gravierenden Defekten. Mit einigem Glück ist EDF an einem gefährlichen Unfall in dem AKW vorbeigekommen, das ungefähr 150 km von Paris entfernt ist.

Zunächst verlor am Nachmittag des 5. April ein Ölbehälter an einer der vier riesigen Pumpen in der Reaktorhülle, die jeweils ca. acht Meter hoch sind, mehrere Hundert Liter Öl. Wie soviel Öl unbemerkt austreten konnte, ist noch unklar. Zwei Öllachen entzündeten sich anschließend. Auch hier ist die Ursache noch nicht geklärt, es wird vermutet, dass das Schmiermittel mit der heißen Pumpe in Berührung kam. Mit dem Beginn des Feuers habe sich der Reaktor automatisch abgeschaltet, sagte ein EDF-Mitarbeiter. Er muss allerdings weiter gekühlt werden, damit keine Kernschmelze beginnt. Der Brand wurde von der Feuerwehr gelöscht.

Der Zwischenfall eskalierte, als gegen 19h eine Dichtung der Pumpe platzte. Die mit einem Druck von 155 bar – das 155-fache des Athmosphärendrucks – arbeitenden Großgeräte weisen drei Dichtungen auf, die ein Austreten des radioaktiven Kühlwasser verhindern. Die zweite und dritte Dichtung sind aber nur für den Notfall vorgesehen und können dem hohen Druck nur kurzfristig standhalten. Um ein unkontrolliertes Austreten des verseuchten Wassers zu verhindern, wird der Druck heruntergefahren. Dafür öffnet das Personal Notventile, die das Kühlwasser in Reservoirs im Reaktorgebäude ableiten. Die Lage in Penly verschärfte sich, weil die Ventile sich aufgrund einer weiteren Störung schlossen. Damit drohte ein Platzen des Primärkreislaufes, der je Pumpe 100 Kubikmeter verstrahlten Wassers enthält.

EDF sprach von einem Leck, aus dem pro Stunde anfangs 2000 Liter Wasser austraten, später nur noch 60 Liter. Trotz der Probleme mit den Notventilen sei das Wasser nicht unkontrolliert herausgespritzt, sondern in den Reservoirs gelandet. Ab 4h  Uhr morgens am 6. April habe es kein Leck mehr gegeben.

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Französische Reaktorpanne schwerer als bisher bekannt

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Flutung des Reaktorgebäudes drohte

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  • @Tigerchen, wie wäre es, wenn Sie sich einmal in einem Kernkraftwerk sachkundig machen, wie die Wartung dort genau funktioniert? Es nervt, wenn die Leserforen von Leuten beherrscht werden, die mit fanatischer Inbrunst irgendwelche Standpunkte und - bewußt oder unbewußt - damit verbundene fremde Interessen verteidigen, sich in der Sache aber allem Anschein nach nicht auskennen. Es wäre ja nichts dageben einzuwenden, wenn Sie die FRAGE aufwerfen würden, ob der Ölaustritt vielleicht eine Folge fehlerhafter Wartung sein könnte. Mit der Behauptung aber, es wäre so, spiegeln Sie Kenntnisse vor, die Sie nicht haben.

  • Vandale
    Wo nehmen Sie ihre Zahlen her.
    Nach einer Kurzrecherche in Wikepedia werden am Beispiel Tschernobyl ganz andere Zahlen genannt (Quelle in Wiki: WHO und IAES).
    Mir drängt der Verdacht auf, dass sie durch das Nehnen von sog. Fakten, Expertentum suggerieren wollen.

  • Hallo Sabine M...dass man im bayrischen Wald teilweise Pilze und Wild nicht verzehrt ist willkürlichen, von Politikern festgelegten Grenzwerten für Radioaktivität zu verdanken. In Japan sind diese beispielsweise mit 100 Bq/Kg sehr niedrig. Viele Deutsche Lebensmittel könnten dort nicht verkauft werden. Hierzulande sind diese Grenzwerte etwas höher, liegen jedoch wiederum unter den Grenzwerten in Osteuropa. Allerdings sind all diese Grenzwerte um Dimensionen von einer Gefährdung entfernt*.

    Lustig für den Oekoungläubigen ist ...Die Region um Tschernobyl ist aufgrund der bislang nicht wiederhergestellten Infrastruktur nur dünn besiedelt und ein beliebtes Jagdgebiet und Sammelgebiet für Pilze und Beeren. In einem Medienartikel konnte man vor ein paar Monaten lesen, dass hier als Bio verkaufte polnische Beeren und Pilze in einigen Fällen aus dieser Region stammen, über die Grenze nach Polen kamen und dann hier vermarktet wurden.

    Es sei Ihnen versichert, dass die von Deutschen Politikern und Behörden die teils von berufsfremden Oekoaktivisten geleitet werden, getätigten Aussagen, Aeusserungen, Leitlinien und Verordnungen sich häufig nicht mit dem naturwissenschaftlichen Strahlenschutz im Einklang stehen.

    Zwischen dem was Sie in den Deutschsprachigen Ländern in den Massenmedien teils von "Atomspezialisten" präsentiert erhalten und den Erkenntnissen des naturwissenschaftlichen Strahlenschutzes gibt es eine grosse Diskrepanz.

    Vandale

    *Die Grenzwerte gehen von einer 75 Kg Person aus die 1 Kg des entsprechenden Lebensmittels täglich verzehrt. In der Realität isst man sehr verschiedene Lebensmittel aus allen Teilen der Welt.

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